Viele wollen es, aber nur wenige verfügen darüber. Damit sich das ändert, hält die Ratgeberliteratur Bücher mit Titeln bereit wie „Charisma – einfach besser ankommen“. Aber lässt sich das, was übersetzt Gnadengabe heißt, überhaupt erwerben? Und wenn ja, was fängt man damit an?

Im politischen Feld jedenfalls gilt die charismatische Persönlichkeit als zweifelhaft. Einerseits fehlt sie in der parlamentarischen Praxis meist. Aber wenn einer oder eine als solche identifiziert wird, lassen eindringliche Warnungen nicht lange auf sich warten. Zwar verkörpert der charismatische Politiker die Hoffnung auf einen möglichen Wandel zum Besseren, doch allzu oft, so die raunenden Skeptiker, waren es charismatische Führer, die ganze Völker ins Verderben gestürzt haben. Das ist ein bemerkenswerter Widerspruch, schreibt Julia Encke in ihrer kleinen Studie über Charisma und Politik. „In der Alltags- und vor allem in der Arbeitswelt erscheint also nichts erstrebenswerter, als sich jene außeralltägliche Strahlkraft anzueignen, die uns von anderen unterscheiden soll. Da sollen wir uns möglichst zu Charismatikern hochrüsten, (…) In der Politik dagegen wird jeder, dem Bewunderung ... entgegengebracht wird, argwöhnisch beäugt, und, wo es geht, zurückgepfiffen.“

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