Dreißig Jahre lang gab es keinen Zweifel daran, dass die Berliner Kammeroper einen wichtigen Beitrag zur Kultur der Stadt leistet. Sie führte zahlreiche Stücke auf, die auf den Spielplänen der großen Häuser aus verschiedenen Gründen nicht auftauchten, zuletzt die "Bremer Freiheit" von Adriana Hölzsky. Sie gilt als wesentliches Werk des Musiktheaters der 80er Jahre, erlebte aber erst in diesem November im Konzerthaus am Gendarmenmarkt ihre Berliner Erstaufführung .Im September nun hat eine Jury entschieden, dass der Berliner Kammeroper ab dem nächsten Jahr keine 150 000 Euro Basisförderung mehr zuerkannt werden soll. Nicht, weil man ihren kulturellen Beitrag plötzlich für entbehrlich hielte, sondern weil sie ein Repertoiresegment bedient, das Aufgabe der großen Häuser sei. Ein schizophrenes Argument: Was die Kammeroper tut, ist zweifellos Teil der subventionswürdigen Kultur, aber wenn es die großen Häuser nicht kümmert, soll die Aufgabe dann niemand kümmern?Die Berliner Kammeroper war seitdem nicht untätig. Über 2000 Menschen haben die Online-Petition für ihren Erhalt unterzeichnet, zahlreiche Briefe erklären dem Kultursenator Wowereit und seinem Staatssekretär André Schmitz die kulturelle Bedeutung der Berliner Kammeroper. Kirsten Harms, Intendantin der Deutschen Oper Berlin und Bernd Loebe, Intendant in Frankfurt und Vorsitzender der Opernkonferenz, protestierten mit inständigen Bitten gegen den Kulturabbau, zahllose Opernliebhaber setzten sich in Briefen für die Kammeroper ein. Sie alle wollen den musiktheatralischen Reichtum der Stadt unbedingt erhalten.Das alles scheint etwas zu bewegen, die Frage ist nur - wie weit? Heute wird Alice Ströver von den Grünen die Kammeroper im Plenum des Abgeordnetenhauses thematisieren. André Schmitz verweist zwar genervt auf seine leeren Töpfe, hat aber gegenüber Kay Kuntze von der Kammeroper Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der Hauptstadtkulturfonds, in dem Wowereit sitzt, hat Kuntzes nächstes Projekt bereits für förderungswürdig erachtet. Gleichwohl: Die Basis, um die Büro- und Probenraummieten zu bezahlen, fehlt.Ein wenig könnte da der Intendant des Konzerthauses helfen. Sebastian Nordmann wollte eigentlich kein Musiktheater mehr in seinem Haus veranstalten, war aber von der "Bremer Freiheit" so beeindruckt, dass er, so Kuntze, sich eine Kooperation mit der Berliner Kammeroper vorstellen könnte. Was zeigt, dass es kein Fehler ist, sich einmal anzusehen, worüber man zu entscheiden hat. Nicht einmal für Politiker.