Die Zahl der Buchungen für die neue Lufthansa-Flugverbindung Berlin-Washington blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. "Die Welle der Euphorie, die unsere neue USA-Verbindung ausgelöst hat, ist bei den Buchungen noch nicht zu erkennen", sagte Steffen Weinstok, Gebietsverkaufsleiter der Lufthansa für Berlin und die neuen Bundesländer. Das Unternehmen appelliert an die Berliner, von Ende März an die Flüge in die US-amerikanische Hauptstadt zu nutzen. Sprecher Wolfgang Weber: "Wenn die Geschäftsleute die Route nicht frequentieren, haben wir ein Problem. Es wäre eine Katastrophe für Berlin, wenn wir diese Strecke wieder einstellen müssten." Mit einer Party wird in Berlin-Tegel am 26. März der erste Flug nach Washington gefeiert. Von diesem Tag an startet dort täglich außer sonnabends ein Airbus A340 zur Reise über den Atlantik - 6 549 Kilometer weit mit einem Durchschnittstempo von 840 Kilometer pro Stunde. 91 000 Liter Treibstoff werden dabei verbraucht. Täglich außer freitags geht es vom Dulles International Airport über Nacht wieder zurück. Die Lufthansa erreicht die Gewinnzone, wenn die Business Class mindestens zu 70 Prozent ausgebucht ist. Doch bislang liegen die Zahlen unter diesem Wert. Nach dem jetzigen Buchungsstand ist die Business Class während der ersten Woche zu 40 Prozent ausgelastet, sagte Weinstok. Bei dieser Zahl wurde bereits berücksichtigt, dass die 42 Plätze in dieser Klasse bei dem Erstflug am 26. März ausgebucht sind. Dort und in der First Class, die ebenfalls an diesem Tag nicht mehr buchbar ist, wurden viele Plätze für Politiker und andere Prominente reserviert. In der Touristenklasse, der für 197 Fluggäste ausgelegten Economy Class, sind selbst in der ersten Maschine nach Washington noch Sitze frei. Seit 1998 hatte es keinen Direktflug zwischen Berlin und den USA mehr gegeben. Alle Verbindungen wurden wieder eingestellt, weil es zu wenige Buchungen für die Gewinn bringenden oberen Komfortklassen gegeben hatte. "Jetzt ist das Potenzial in Berlin da", sagte der Verkaufsleiter. "In Gesprächen mit Firmen haben wir ein großes Interesse festgestellt." Verbände und Bundespolitiker seien ebenfalls als Zielgruppen erkannt: "Künftig muss der Außenminister nicht mehr über Frankfurt nach Washington fliegen." Die Anschlüsse seien auch für Touristen ideal. Mit dem Partner United Airlines lassen sich am selben Tag mehr als 65 USA-Ziele direkt erreichen. Gebühr gefährdet neuen Airport "Wir haben ein gutes Angebot, das sich durchsetzen wird", hieß es. Darum werde auch nicht über eine Befristung gesprochen. "Wir wollen keine Eintagsfliege, sondern einen Dauerbrenner", sagte Weber. "Hier wird sich zeigen, wie groß die Sogkraft dieser Stadt ist. Diese Verbindung ist ein Imageprojekt für Berlin." Die Lufthansa könne es sich nicht leisten, dass die Flüge LH 414 und 415 "ein Flop" werden, warnte Weinstok. Es gebe keine Zuschüsse - abgesehen von einer Werbekampagne der Flughafen Holding. Zudem fertigt die Firma "Globe Ground" diese Flüge preiswerter ab, meldete das Fachmagazin "Roger". Auf den Europa-Routen zeige die Lufthansa ebenfalls ihre Verbundenheit mit Berlin, sagte Weinstok. Mit Beginn des Sommerflugplans am 25. März steigt die Zahl der wöchentlichen Verbindungen ab Berlin auf 220. Neue Ziele sind der City Airport in London, Amsterdam und Venedig. Auch das innerdeutsche Angebot wird erweitert - auf 554 wöchentliche Flüge. Neu im Angebot: Saarbrücken, Dortmund und Münster. Die Nürnberg-Flüge werden vom überlasteten Flughafen Tegel nach Tempelhof verlegt und dann mit dem Partner Eurowings bedient. Es sei möglich, dass weitere Routen nach Tempelhof verlagert werden. Weber: "Das ist ausbaubar." Zwar werden in Tegel in diesem Sommer 20 weitere Abfertigungsschalter eröffnet, doch auch diese Kapazitäten werden bald erschöpft sein. Erneut wandte sich die Lufthansa dagegen, dass auf dem geplanten Großflughafen eine Abfertigungsgebühr von fast 20 Mark pro Fluggast kassiert werden soll. "Wenn sie kommt, wäre dies der teuerste Airport Europas", sagte Weber. "Diese Gebühr verhindert den Großflughafen."Erster Flug nach Washington am 26. März // Umwege: Seit dem 2. März 1998 müssen Fluggäste zwischen Berlin und den USA umsteigen. Damals stellte Delta den Flug Berlin-New York ein. Die Lufthansa hatte diese Route bereits 1992 aufgegeben.Direkt: Nun startet Lufthansa einen neuen Versuch. Täglich außer freitags fliegt ein Airbus A 340 von Washington nach Tegel. Start ist um 17. 40 Uhr, Ankunft um 8 Uhr. Erstflug: 25. März. Zurück geht es täglich außer sonnabends - vom 26. März an. Abflug in Tegel 11. 10, Ankunft in Washington 14. 15 Uhr.Anschlüsse: 65 Ziele in 30 US-Bundestaaten sind am selben Tag von Washington aus erreichbar. Von diesen Anschlussflügen starten 25 Flüge zwischen 15. 15 und 15. 40 Uhr.Sonderpreise: Mit den "Spring Specials" kostet ein Hin- und Rückflug von Berlin-Tegel an die USA-Westküste in diesem Frühjahr 1 022,75 Mark inklusive Gebühren. Andere Ziele sind ab 712,75 Mark zu haben.OLIVER BERG Ein Airbus A340 der Lufthansa startet - ab März auch von Berlin in die USA.