Ottmar Hitzfeld, Meister mit Bayern und Dortmund, Meister im Selbstkontrollieren und Phrasieren, hat in seiner letzten Saison als Klubtrainer dem deutschen Fußball-Duden noch zwei neue Beiträge geschenkt. Er führte das Schlachtenglück ein, das er mit den Münchnern bis auf eine Ausnahme, bis auf das 0:4 im Uefa-Cup-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg, dann auch hatte. Er prägte zudem den Begriff Wandspieler, womit er natürlich Luca Toni meinte, der ihn mit seinen Toren zum Meistertrainer machte. Der Wandspieler galt für die Spielzeit 2007/2008 dann auch als Prototyp des modernen Stürmers: ein kantiger Prellbock, mit dem es sich vorzüglich gegnerische Abwehrreihen aufreißen lässt; ein kaltschnäuziger Vollstrecker, der mit Chancen so sorgfältig umgeht wie mit seiner Frau, Freundin und/oder Geliebten. Viele wollte daraufhin unbedingt auch einen Wandspieler haben, suchten in den Weiten des Kosmos nach einem Vertreter dieser Spezies. Wer nicht fündig geworden ist, muss sich aber nicht unbedingt noch grämen.Denn im Herbst 2009 kann man sich gar nicht mehr sicher sein, ob der Wandspieler nicht doch bloß wieder eine dieser Modeerscheinungen war. Dominiert wird die Liga in diesen Tagen nämlich von ganz neuen Entwicklungen im Offensivbereich. In Wolfsburg ist beispielsweise der Drehtürstürmer Grafite zu bewundern, der nach einem Jahr Training unter Felix Magath so viel Kraft hat, dass er Gegenspieler packen, einmal mit im Kreis drehen und dann im rechten Moment wieder abstoßen kann. Am Sonnabend, beim 3:0 gegen Cottbus, nahm Grafite Energie-Verteidiger Mariusz Kukielka zwei Mal mit auf die kurze Rundreise, erzielte alle Tore. Für Furore sorgte auch Marko Marin, der nun offensichtlich doch noch zu einem Mittelfeldstürmer reift. Beim 2:0 in Bielefeld erinnerte Gladbachs Ausnahmetalent jedenfalls schon ein klein wenig an Lionel Messi, der mit seinem Dribblings aus der Tiefe des Raums heraus das Spiel des FC Barcelona bestimmt. (lot.)