Einhundert Millionen Euro, eine Eins mit acht Nullen, sind erst mal nur ein Geldbetrag, den man eher selten in die Hände bekommt. Wäre auch schwierig, denn einhundert Millionen Euro in druckfrischen Scheinen zu einhundert Euro aufeinandergestapelt ergeben ein Gewicht von etwa einer Tonne und eine Höhe von einhundert Metern. Wie schwer fünfzig Millionen Euro sind und wie hoch sie in den Himmel ragen, lässt sich damit ganz leicht bestimmen. Dagegen fallen die anschließenden Rechnungen komplizierter aus. Vor allem, wenn man die beliebte Konstante Fußball mit solchen Unbekannten wie Moral oder Verhältnismäßigkeit verrechnen will.

Seitdem klar ist, dass der Waliser Gareth Bale für die höchste jemals gezahlte Ablösesumme zu Real Madrid wechselt und der deutsche Nationalspieler Mesut Özil für die Hälfte zum FC Arsenal London, ist wieder eine Debatte entbrannt, die in den Jahren zuvor leise vor sich hin loderte. Daran erinnert noch einmal die Welt: „Die Geschichte zeigt, dass Rekordtransfers schon immer kritisch gesehen worden sind. Selbst als die Summen noch so niedrig waren, dass Normalbürger auf Anhieb sagen konnten, aus wie viel Ziffern sie denn bestehen.“ Die gemeinte Kritik in Kurzform: Wie kann es sein, dass Fußballer so viel kosten und dann auch noch so viel verdienen, wenn das Geld woanders besser aufgehoben wäre? Ist das nicht unmoralisch? Unverhältnismäßig?

„Spend some fucking money!“

Die Fans des FC Arsenal haben darauf eine Antwort gefunden, wie die englischen Medien berichten: „Spend some fucking money!“ Das haben die auf den Tribünen zuletzt immer gerufen, wenn die in den oberen Vereinsetagen zu geizig waren. Jetzt haben sie ihren neuen Starspieler bekommen, sie sind zufrieden. Nicht erschrocken über die hohe Ablöse. Und nicht neidisch, weil sie nur einen Bruchteil davon verdienen. Die Fans wollten Unterhaltung, und die kostet eben, das ist die Logik der Fußballbranche. Man kann sie gut finden, man kann sie verdammen, aber sie funktioniert, und dazu reicht ein Blick in die Gesichter der Stadiongänger, wenn ein Tor fällt.

Besonders gut funktioniert diese Logik in England, in der Premier League, der alle Europäer nacheifern, weil sie am meisten Kapital erwirtschaftet – und auch wieder einsetzt. Der Guardian schreibt: „Özil ist der König der Vorlagen, seine Technik und seine Pässe machen ihn zum Liebling der Fans. Die Möglichkeit für einen Transfer dieser Größenordnung ergibt sich nicht oft.“

In Deutschland ist man auch ein bisschen stolz. „Mesut Özil ist jetzt der teuerste deutsche Fußballer“, steht in der Süddeutsche Zeitung. Es klingt nicht nur wie eine Auszeichnung, es ist auch eine. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, was in Madrid zuletzt gerufen wurde: „Özil no se vende!“ Özil verkauft man nicht.

Fußballer werden aber nun mal verkauft, man muss sie deswegen nicht bemitleiden, das ist kein Menschenhandel. „Mit solchen ethischen Vorhaltungen“, schreibt sogar die FAZ, „erscheint man in Zeiten der Finanzkrise und ihrer Fanstastilliarden ziemlich von gestern.“ Paul Linke