Selten fand in der jüngeren Vergangenheit ein Wort aus Rom so einhellige Zustimmung wie die Suspendierung des unseligen Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, durch den Papst. Die Erleichterung, dass die inzwischen Monate währenden Auseinandersetzungen um die Amtsführung des Bischofs, seine Luxusbedürfnisse und sein Verhältnis zur Wahrheit zumindest vorläufig beendet sind, spricht aus den Kommentaren aller Tageszeitungen. Doch kommt kaum ein Kommentator ohne den Hinweis aus, dass in dem Fall Tebartz-van Elst strukturelle Probleme der katholischen Kirche hervorgetreten sind, die mit einem Machtwort des Vatikan nicht aus der Welt zu schaffen sind.

Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung schreibt: „Die Entscheidung ist wie ein Vexierbild. Jeder kann sich darin das Seine suchen. Wenn in Tebartz-van Elsts Abwesenheit der Frieden in der Diözese wieder einkehrt, ist aber kaum vorstellbar, dass dieser Frieden später wieder aufs Spiel gesetzt werden soll. Insofern ist die vorläufige päpstliche Entscheidung eine vorläufig endgültige. Für den Bischof gilt der Satz: Geh hin in Frieden. Es ist dies ein Segensspruch zum Abschied. Der Fall des Tebartz-van Elst zeigt freilich auch dies: Ein neuer Papst macht noch keine neue Kirche. Es wird noch lange dauern, bis der franziskanische Geist die unfranziskanische Hierarchie durchdringt – wenn überhaupt je.“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bemängelt Daniel Deckers das Fehlen rechtsstaatlicher und damit transparenter Verfahren, mit denen Fälle wie der des Limburger Bischofs befriedigend gelöst werden können. Der katholischen Kirche fehle es nicht nur im Fall von Theologen, die von der Kongregation für die Glaubenslehre einem Lehrbeanstandungsverfahren unterzogen werden, an einem rechtsstaatlich gestaltetem Prozessrecht: „Nun heißt es im Fall Tebartz, der Papst wolle vor einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Bischofs den Bericht einer Kommission abwarten, die das Finanzgebaren des Bischofs auf seine Vereinbarkeit mit dem Kirchenrecht untersucht. Sollte das der Versuch sein, einen Angeschuldigten nicht der Willkür Roms oder auch dem Furor der öffentlichen Meinung zu überantworten, dann wäre das mangels eines kodifizierten Rechtsweges oder eines Instanzenzuges ein Fortschritt.“

Die Saarbrücker Zeitung präsentiert ihren Lesern eine Stilkritik: „Ganz unabhängig davon, ob Tebartz-van Elst gelogen hat oder nicht, steht sein Verhalten in krassem Gegensatz zum neuen Stil im Vatikan. Der Papst will, dass die Hirten den Geruch ihrer Herde verströmen. Bis nach Rom ist jedoch durchgedrungen, dass es nach Ansicht vieler Beobachter um den Limburger Dom herum viel eher nach Schwefel riecht. Will der Pontifex sich nicht selbst widersprechen, darf es für Tebartz-van Elst keine Rückkehr in sein Bistum geben. Andernfalls hätte der Papst seinen Kredit verspielt.“ Dass das Bild vom Kredit des Papstes bei des Deutschen mächtigen Lesern im Vatikan in diesem Zusammenhang Zuspruch findet, ist zu bezweifeln.