Der Runde Tisch in Kiew hat sich erst einmal ergebnislos vertagt. Das ist kein Wunder, da nicht einmal alle betroffenen Gruppen aus der Ukraine beteiligt sind – die Separatisten sperrten sich, wurden von der Regierung aber auch gar nicht eingeladen. Derweil gehen die Kämpfe im Osten des Landes weiter. Wenig Beachtung fand dabei, dass nach den OSZE-Mitarbeitern, die mittlerweile wieder frei sind, nun der vielfach ausgezeichnete ukrainische Regisseur Pawlo Jurow und der Künstler Denis Hryschtschuk von den sogenannten prorussischen Separatisten und selbst ernannten Machthabern in Slawjansk verschleppt wurden.

Die taz meldet, dass es derzeit keine Nachricht über deren Verbleib gibt. „Ukrainische Regisseure und Theatermacher haben den selbst ernannten Machthabern in der ‚Volksrepublik Donezk‘ nun einen Brief mit der Bitte um Freilassung übergeben. Inzwischen haben sich mehr als 50 russische Künstler dem Appell ihrer ukrainischen Kollegen angeschlossen und setzen sich für die Freilassung der beiden ein. Bisher allerdings vergeblich. Vor einigen Tagen berichtete ein Augenzeuge, dass Jurow und Hryschtschuk noch leben, aber geschlagen würden.“

"Ach was, Separatisten, das ist ein viel zu schönes Wort"

Angesichts solcher Taten und der offenkundigen Unfähigkeit der ukrainischen Regierung und des Militärs sei es unwahrscheinlich, dass Kiew die Lage in der Region Donezk wieder unter Kontrolle bringe, glaubt der Wiener Standard: „Kurzum, die Spaltung der Ukraine ist eine Tatsache. Nach dem Referendum haben die Anführer des prorussischen Aufstandes Moskau gebeten, die Provinzen Donezk und Lugansk ähnlich wie die Krim an Russland anzugliedern.

Doch vorerst scheint der Kreml nichts davon zu halten. (...) Die Aufständischen sind wohl überzeugt, dass sie die Dinge in ihrem Sinne regeln können. Ihr erstes Ziel ist es, die ukrainischen Präsidentenwahlen vom 25. Mai zu torpedieren. Damit hoffen sie, die Autorität Kiews weiter zu unterminieren. Zudem hoffen sie, dass das Feuer des Aufstands auf Charkow und Odessa übergreift. Das würde zu heftigen Konfrontationen mit pro-ukrainischen Milizen führen und Moskau stärker unter Druck setzen, militärisch einzugreifen.“

Die Zweiteilung der Ukraine war auch das Thema einer Diskussion in der Berliner Volksbühne mit dem ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch. Auch er beurteilt die Lage im Land resigniert, wie der Tagesspiegel berichtet: „Als er von Manfred Sapper, dem Chefredakteur der Zeitschrift Osteuropa und Moderator des Gesprächs, am Ende nach Zukunftsszenarien gefragt wird, antwortet der 1960 im westukrainischen Iwano-Frankiwsk geborene Schriftsteller: ‚Der Osten ist verloren‘. Die Regionen Donezk und Lugansk seien inzwischen zu fest in der Hand der Separatisten, ‚ach was, Separatisten, das ist ein viel zu schönes Wort. Kriminelle sind das, die sich anscheinend auch untereinander schon heftig bekämpfen‘.“

Im Ergebnis vereine dieses von Putin initiierte aggressive Vorgehen die „Restukraine“: „Es gibt keine West- und keine Ostukraine, es gibt nunmehr die Ukraine und den Donbass.“