Im Präsidium der PDS hat es im ersten Halbjahr 1990 ernsthafte Diskussionen gegeben, wie man das Vermögen der Parteien auf Konten und in Gesellschaften im Ausland in Sicherheit bringen kann. Das bestätigte gestern der Ex-PDS-Vizechef Pohl vor dem Bonner Untersuchungsausschuß "DDR-Vermögen".Wie Pohl sagte, sei der auf dem außerordentlichen SED-Parteitag im Dezember 1989 gefaßte Beschluß, die Partei unter dem Doppelnamen SED/PDS fortzuführen, nur deshalb gefaßt worden, um das Vermögen der Honecker-Partei zu retten. Damit widersprach Pohl gestern vor dem Untersuchungsausschuß "DDR-Vermögen" früheren Äußerungen Gregor Gysis, der die Weiterführung der SED unter neuem Namen mit Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung begründet hatte.Wie Pohl vor dem Untersuchungsausschuß, der verschwundenem DDR-Vermögen nachspürt, weiter ausführte, habe es in der PDS-Führung 1990 Diskussionen gegeben, Teile des milliardenschweren Parteivermögens ins Ausland zu transferieren. Insbesondere nach der Konstituierung der Volkskammer am 5. April 1990 hätten diesen Überlegungen an Intensität zugenommen. Bis zum 1. Juni 1990, als das Parteiengesetz eine freie Verfügbarkeit der DDR-Parteien über ihr Vermögen unmöglich machte, seien jedoch keine solche Transaktionen durchgeführt worden, so Pohl. Für die Zeit danach verweigerte Pohl die Aussage.Pohl war im Dezember 1989 zum stellvertretenden PDS-Vorsitzenden gewählt worden. Als Verantwortlicher für die Parteifinanzen hatte er eine Aufstellung über das SED-Vermögen erarbeitet, die aber möglicherweise nicht vollständig war, wie er gestern einräumte.Im Oktober 1990 war Pohl dann von seiner Funktion zurückgetreten. Im Sommer 1990 hatten er und weitere PDS-Mitglieder versucht, mittels fingierter Rechnungen 107 Millionen Mark aus dem PDS-Vermögen auf das Konto der russischen Firma Putnik überweisen zu lassen. +++