Berlin eine Stadt der Berge zu nennen, auf diese Idee würde wohl kaum jemand allen Ernstes kommen. Tatsächlich aber gibt es in Berlin rund 140 Hügelchen und Erhebungen. Nicht alle sind auf natürlichem Wege entstanden, einige verdanken ihre Existenz vielen fleißigen Händen, die nach dem Krieg die Trümmer aufschichteten. So richtig hoch ist kein einziger Berliner Berg, aber immerhin sechs erheben sich hundert Meter und mehr über den Meeresspiegel. In loser Folge stellen wir Berliner Berge vor; die berühmten wie die Müggelberge oder den Teufelsberg, aber auch die weniger bekannten wie den Böttcherberg oder den Fichtenberg. Heute: die Humboldthöhe. ----Höhe: 85 Meter.Lage: Im nördlichen Bereich des Volksparks Humboldthain an der Brunnenstraße im Ortsteil Gesundbrunnen (Bezirk Mitte).Verbindung: Vom S- und U-Bahnhof Gesundbrunnen sind es nur wenige Minuten Fußweg. Beim Aufstieg zur Humboldthöhe kann man schon etwas ins Schnaufen kommen. Dabei sind die Wege durchaus bequem, aber sie steigen ständig bergan. Und das nicht zu knapp. Schließlich ist die Humboldthöhe die höchste künstliche Erhebung in der Innenstadt. Künstlich deshalb, weil sie aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs besteht. 1941 und 1942 hatten die Nazis im Humboldthain zwei Bunker gebaut. Der größere unmittelbar an der S-Bahn-Trasse war 40 Meter hoch und Teil eines Flakturms. In dem monströsen Bauwerk mit sieben Etagen hatten bis zu 15 000 Menschen Platz, manchmal hielten sich dort aber auch bis zu 50 000 auf. Die Sprengung nach dem Krieg misslang: Weil die S-Bahn-Schienen nicht beschädigt werden durften, wurde zu wenig Sprengstoff eingesetzt. Die Stadtplaner machten aus der Not eine Tugend und ließen an den Bunkerwänden einfach Trümmerschutt aus dem Weddinger Kiez anschütten und bepflanzen. Auf dem kleineren dieser Bunkerberge wurde später eine Rodelbahn angelegt, der größere bildet die Humboldthöhe, auf der sich jetzt eine Aussichtsplattform befindet. Die noch frei liegende Nordwand des Bunkers dient heute Bergsteigern als Trainingswand. Für die Neugestaltung der heutigen Parkanlage von 1948 bis 1951 war der Weddinger Gartendirektor Günther Rieck verantwortlich. Außer den Bunkerbergen gibt es ausgedehnte Spiel- und Liegewiesen sowie mehrere Spielplätze. Zum Humboldthain gehört auch ein streng angelegter Rosengarten sowie das Sommerbad. Seit 1987 wird in dem Park sogar Wein angebaut, aus den Beeren der sieben Weiß- und Rotweinsorten wird der "Humboldthainer" gewonnen. Genutzt wird der Park heute vor allem von den Leuten aus dem Kiez - so hatte es sich schon Berlins erster Gartendirektor Gustav Meyer gewünscht, als er im 19. Jahrhundert den 29 Hektar großen Humboldthain anlegte. Baubeginn war übrigens der 14. September 1869 - der 100. Geburtstag Alexander von Humboldts. Deshalb der Name der Anlage, die auch der naturkundlichen Bildung der Weddinger dienen sollte. Dafür hatte Meyer fremdländische Gehölze gepflanzt und eine geologische Wand gebaut. Der Park wurde im Zweiten Weltkrieg völlig verwüstet. Die Bäume landeten als Brennholz in der Öfen der Berliner. (ua.)------------------------------Karte: Humboldthöhe