Die älteren Spandauer werden sich noch an die Kirche erinnern, die bis 1949 am Hafenplatz stand. Der Nikolaikirche konnte sie zwar nie das Wasser reichen, weder in puncto Alter noch in Fragen kunstgeschichtlicher Bedeutung. Aber mit ihrem mächtigen Turm, der bis zu einer Höhe von 73 Metern aufragte, war sie noch weit außerhalb Spandaus zu sehen: die Garnisonkirche. Das Museum der Gemeinde Sankt Nikolai, "Spandovia sacra", widmet der kurzen Geschichte der für das Militär erbauten Kirche jetzt eine Ausstellung.Aus der Not heraus gebautDie Garnisonkirche wurde aus der Not heraus gebaut. Schon 1865 war das in der Stadt Spandau stationierte Militär auf 4 000 Mann angewachsen. In den Militärgottesdiensten der Sankt-Johannis-Kirche sie stand auf dem Gelände des heutigen Schulhofs des alten Kant-Gymnasiums fanden jedoch nur 450 Menschen Platz. Deshalb plante man seit Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine größere Kirche, die nur den Heeresangehörigen und ihren Familien vorbehalten sein sollte. Die Garnisonkirche entstand schließlich an der Neuendorfer Straße, in der Nähe des Hafenplatzes. Auf dem Areal befindet sich heute zum größten Teil ein Parkplatz vor dem Brauhaus. Damit das neogotische Bauwerk sich ins Straßenbild einfügte, wies es eine Besonderheit auf: Altar und Apsis (Altarnische) zeigten nach Westen und nicht nach Osten.Im Museum sind außer Karten und Luftaufnahmen der Kirche auch hervorragende Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Jahr 1890 zu sehen, die das Gebäude von verschiedenen Seiten zeigen. Die enge Verknüpfung der Kirchengeschichte mit der Kriegsgeschichte zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung. Neben Gefallenentafeln und Militärgesangsbüchern findet sich auch eine Weisung des NS-Regimes an die Pfarrer, zu Adolf Hitlers 50. Geburtstag am 20. April 1939 einen möglichst feierlichen Gottesdienst abzuhalten. An dessen Ende sollte, so wurde angeordnet, das Lied "Großer Gott, wir loben Dich" gesungen werden. "Möge das neue Gotteshaus durch lange Zeiten hindurch eine Zierde für unsere Stadt bleiben", schrieb das Spandauer Tageblatt 1888. Doch daraus wurde nichts. Die Kirche selbst lag nach dem Zweiten Weltkrieg zwar nicht in Trümmern. Aber umliegende Gebäude waren von Bomben getroffen worden, und breite Risse zogen sich auch durch die Außenmauern der Garnisonkirche. Sicherlich hätte sie wiederaufgebaut werden können. Aber vielleicht wurden dem Gebäude sein geringes Alter und die fehlende architektonische Bedeutung zum Verhängnis.Standfester TurmZudem sollte nach dem Krieg nicht eine von der Wehrmacht benutzte Kirche wiederhergerichtet werden. Im Oktober 1949 wurde das Gotteshaus gesprengt. Wie ein Augenzeuge berichtete, hielt der mächtige Turm der ersten Detonation stand und gab erst beim zweiten Versuch nach.Die Ausstellung am Reformationsplatz 12 dauert bis zum 31. Oktober. Sie ist donnerstags, freitags und sonntags, jeweils von 15 bis 18 Uhr, sowie sonnabends, von 13 bis 18 Uhr, geöffnet.