SCHWEDT. In Schwedt wird heute Abend eine Ausstellung der besonderen Art eröffnet: "40 Jahre Bildhaueratelier Monplaisir". Sie ist dem Bildhauer Axel Schulz gewidmet, der vergangenen Sonntag 70 wurde. Vom Keller bis unters Dach ist der alte Tabakspeicher, in dem seit neun Jahren der Kunstverein Schwedt mit seiner Galerie am Kietz beheimatet ist, mit Kunst und Kunsthandwerk gefüllt, für die Monplaisir als Entstehungsort, als Werkstatt und geistiges Zentrum steht - Skulpturen und Kleinplastik, Grafik, Malerei, Keramik.Monplaisir (französisch: Mein Vergnügen), das sind in diesem Falle die Wirtschaftsgebäude des Jagdschlösschens im gleichnamigen Schlosspark von Schwedt, die Cornelia und Axel Schulz vor 40 Jahren herzurichten begannen, fürs Wohnen mit ihren vier Kindern und für die Arbeit in zwei Ateliers.Axel Schulz, geboren in Königs Wusterhausen, hatte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Professor Drake Bildhauerei studiert und dann als freier Künstler in Berlin gearbeitet, bevor er 1963 nach Schwedt kam - zusammen mit den Erbauern des Chemiekombinats, in dem sowjetisches Erdöl verarbeitet wurde. Seinen "Bauarbeiter" aus Bronze vor dem einstigen Kulturhaus - nackte Brust, die Mütze frech in die Stirn geschoben, ein Held seiner Zeit - haben die neuen Hausbesitzer des Platzes verwiesen, aber das "Liebespaar" vor dem Rathaus hat Bestand. Wie die Bronzetür am Rathaus, die "Hochzeitstür" am Standesamt oder der kupferne "Eiserne Vorhang" am Theater.Ein guter Bildhauer muss auch restaurieren können. Dass Schulz sein Handwerk beherrscht, bewies er nach 1990 am Deutschen Dom in Berlin, auf dessen Turm er die Propheten und Apostel aus dem alten Testament, denen Arme, Beine, halbe Köpfe fehlten, wieder herstellte.Monplaisir, das war immer auch ein öffentlicher Ort, ein Ort des Dialogs, und so wollte Schulz, dass die Ausstellung seines Lebenswerks auch die Arbeiten jener versammelt, mit denen er im kreativen geistigen Austausch steht - an erster Stelle seiner Frau Cornelia, ebenfalls Bildhauerin, seiner Kinder, seiner Freunde und Schüler. Daran, dass in Schwedt über 40 Jahre hinweg ein Internationaler Kinderzeichenwettbewerb fortbesteht, zu dem heute Einsendungen aus aller Welt eintreffen, hat auch Schulz seinen Anteil. Und im Keller des Tabakspeichers sind herrliche Arbeiten seiner jüngsten Schüler zu betrachten, entstanden in den Kursen der Musik- und Kunstschule. Bleibt hinzuzufügen, dass auch die Wiederbelebung des Speichers selbst einer Idee von Axel Schulz zu danken ist. (rr.)Ausstellung vom 23. Mai bis 8. Juli, Galerie am Kietz, Gerberstr. 2, 16303 Schwedt, Tel.: 03332/51 24 10.------------------------------Foto: Axel Schulz im Garten von Monplaisir vor seiner "Puppenbühne"