Die Eröffnung einer Ausstellung ist für einen Bundespräsidenten Routine. Wenn es allerdings um eine Ausstellung zum Warschauer Aufstand geht, wird ein Präsident wie Joachim Gauck dieser Routine niemals nachkommen, ohne eine besondere Botschaft zu setzen. Dies gilt zumal in politisch so aufgewühlten Zeiten wie diesen.

Also nutzte Gauck seinen Auftritt am Dienstag in der Topographie des Terrors in Berlin dazu, die Bedeutung des Kampfeswillens der Polen über ihr Land hinaus zu würdigen. „Eine der herausragenden Gaben Polens für seine Nachbarn in Europa ist die Botschaft mehrerer Generationen: Freiheit ist so kostbar, so lebensnotwendig, dass Menschen nicht nur von ihr träumen, sondern sie erkämpfen und verteidigen, und dies sogar notfalls mit dem Einsatz des eigenen Lebens“, sagte der deutsche Präsident in Anwesenheit seines polnischen Kollegen Bronislaw Komorowski. Dessen Verwandter General Bór-Komorowski war Oberbefehlshaber des Aufstandes.

Der Kampf der Warschauer gegen die deutschen Besatzer im Sommer 1944 zeuge von der Tugend, „in einer solch existenziellen Lage selbst dann zu streiten und zu kämpfen, wenn der Erfolg höchst ungewiss ist“, sagte Gauck. Die Polen hätten damals sich und der Welt demonstrieren wollen, dass sie imstande wären, sich aus eigener Initiative zu befreien.

Die Dauerausstellung in Berlin zeige eine spezifisch polnische Perspektive auf die Geschehnisse, hob Gauck hervor. „Sie hilft uns zu verstehen, welche besondere Rolle der Warschauer Aufstand in der polnischen Geschichte spielt. Sie hilft uns zu verstehen, warum für viele Polen Fragen von Freiheit und Unabhängigkeit bis heute so essenziell bleiben.“ Ohne es direkt auszusprechen, verwies Gauck damit auch auf die besondere Rolle, die Polen in der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Ukraine spielt.

Anspielung auf die Ukraine

Für diese Ausstellung könne es wohl kaum einen angemesseneren Ort in Deutschland geben als das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in der Mitte Berlins, stellte der Präsident fest. Einen Ort, um den sich einst die Zentralen der Gestapo und der SS sowie das Reichssicherheitshauptamt gruppierten. „Hier wurde das Schicksal der polnischen Hauptstadt endgültig besiegelt, als Hitler den Befehl zur vollständigen Niederschlagung des Aufstandes und zur Zerstörung der Stadt erteilte. Hier, in der Kommandozentrale der einstigen Täter, rufen die Nachkommen der Opfer jetzt die besondere Brutalität des NS-Regimes in Polen in Erinnerung: für Besucher aus Berlin und Deutschland wie für Besucher aus aller Welt.“ Angesichts dieser Vergangenheit, auch angesichts der Tatsache, dass die Strafverfolgung der Hauptverantwortlichen in der jungen Bundesrepublik zögerlich war oder ganz unterblieb, grenze es für ihn an ein Wunder, „dass Polen und Deutsche heute nicht nur Nachbarn sind, die sich vertragen, sondern Freunde, die sich mögen.“

Mit Archivfotografien, Textinformationen, Faksimiles von Dokumenten, aber auch Tonquellen, interaktiven und multimedialen Elementen soll die Ausstellung die Geschichte der polnischen Hauptstadt nach 1918 bis zu ihrer Zerstörung lebendig machen.