Was ist falsch gelaufen bei der Auszählung in Lichtenberg?In Wahlkreis 1 (Falkenberg, Wartenberg, Neu-Hohenschönhausen) wurden in einem Wahllokal Erststimmen falsch zugeordnet. Obwohl sie für die Linke-Kandidatin Evrim Baba-Sommer abgegeben wurden, bekam sie Grünen-Kandidat Bartosz Lotarewicz zugeschlagen. Für ihn wurden 270 Stimmen gezählt, 36,7 Prozent, für Baba-Sommer 40, 5,4 Prozent. Zum Vergleich: In Wahlkreis 1 kam die Linke bei den Erststimmen durchschnittlich auf 30 Prozent, die Grünen auf 5. Letztlich siegte SPD-Direktkandidatin Karin Seidel-Kalmutzki mit 4511 Stimmen vor Baba-Sommer, die 51 Stimmen weniger hatte.Hätte der Wahlvorstand nicht stutzig werden müssen bei dem Ergebnis?Das ist Spekulation. Es ist nicht geklärt, ob die Stimmen falsch zugeordnet oder falsch übermittelt wurden. Im Bezirkswahlamt findet keine Plausibilitätsprüfung statt. Es wird nur nachgerechnet, ob die Zahl der abgegebenen Stimmen mit der Verteilung auf die Parteien übereinstimmt.Wie ist der Fehler aufgefallen?Bei einer Standardüberprüfung. Überall dort, wo das Stimmergebnis knapp ausgefallen ist, wird nach Vorliegen des vorläufigen amtlichen Endergebnisses erneut gezählt. Das ist in Lichtenberg in zwei Wahlkreisen der Fall, aber auch in Mitte, Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Hinweise auf Fehler gibt es dort bislang nicht.Welche Auswirkungen hat er?Er verändert die Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus. Statt der SPD gewinnt die Linke voraussichtlich das Direktmandat - und als Folge verringert sich die Zahl der Ausgleichs- und Überhangmandate im Abgeordnetenhaus. Ersten Berechnungen zufolge verlieren SPD, Grüne und Linke je ein Mandat, das Landesparlament wird also nicht 152 Abgeordnete haben, sondern nur 149.Wie oft werden bei Nachzählungen Fehler gefunden?Hin und wieder. Das vorläufige Endergebnis und das amtliche Endergebnis weichen meist marginal voneinander ab. Weitreichende Irrtümer, die Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses haben, gab es in den vergangenen Jahren nicht.Bis wann darf nachgezählt werden?Die Bezirkwahlausschüsse haben zehn Tage nach der Wahl Zeit, um die Ergebnisse zu überprüfen. Zwei weitere Tage später müssen die Niederschriften dieser Überprüfung der Landeswahlleiterin vorliegen. Diese gibt dann das endgültige Endergebnis bekannt. Eine Frist gibt es nicht. Dieses Mal wird es am 6. Oktober sein.Wie lange werden die Stimmzettel nach der Wahl aufgehoben?Liegt kein Wahlprüfungsverfahren vor und muss nicht noch ein weiteres Mal nachgezählt werden, werden sie ein halbes Jahr nach der Wahl vernichtet.Wowereit hat sein Direktmandat nicht gewonnen, gehört also nicht dem Abgeordnetenhaus an. Darf er nun überhaupt Regierender Bürgermeister werden?Ja, darf er. Laut Berliner Verfassung müssen weder der Regierende Bürgermeister noch die Senatoren Abgeordnete sein. Das ist auch im Bundestag so und entspricht der deutschen Parlamentstradition. In anderen Ländern ist es zwingend vorgeschrieben - in England muss die Regierung aus der Mitte des Parlaments stammen.Dürfen Senatoren in Berlin Abgeordnete bleiben?Ja, das dürfen sie. Die Trennung von Amt und Mandat, die in anderen Ländern zwingend vorgeschrieben ist, wurde hierzulande vielfach kritisiert und diskutiert. Sie ist nicht vorgeschrieben. Grüne und Linke trennen Amt und Mandat, andere nicht. Auch Wowereit gehörte dem scheidenden Abgeordnetenhaus an. Und auch Kanzlerin Merkel ist Bundestagsabgeordnete.Notiert von Claudia Fuchs.------------------------------Grafik: Sitzverteilung im Parlament nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis