BERLIN, 10. September. Steven Spielberg, US-Regisseur und Filmproduzent, ist am Donnerstag in Berlin mit dem großen Verdienstkreuz mit Stern dem vierthöchsten Orden der Bundesrepublik geehrt worden. Bundespräsident Roman Herzog überreichte dem Regisseur des Films "Schindlers Liste" im Schloß Bellevue die Auszeichnung für seine Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Der Film erzählt die Geschichte des deutschen Fabrikanten Oskar Schindler, der während des Zweiten Weltkriegs in Krakau 1 200 jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod im KZ rettete."Deutschland verdankt Ihnen ein Werk, das uns mehr gegeben hat, als Sie vielleicht selber ahnen", sagte Herzog. Spielberg habe in seinem Film nicht versucht, "das Unerklärbare zu erklären", sondern habe durch seine Bilder die Geschichte zum Leben erweckt. "Sie haben dem Grauen und der Hoffnung Gesichter gegeben", sagte Herzog. Spielberg habe gezeigt, daß die Verantwortung des einzelnen niemals aufhöre, auch nicht in einer Diktatur. Der Bundespräsident würdigte Spielberg nicht nur als Regisseur, sondern auch als Gründer der Shoa-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden durch gefilmte Interviews zu dokumentieren. Weltweit sind seit 1994 bereits rund 48 000 Berichte zusammengetragen worden. Die Stiftung sammelt Interviews mit jüdischen Überlebenden, verfolgten Homosexuellen, politischen Häftlingen sowie Sinti und Roma. "Bald wird niemand mehr aus Erfahrung vom Ausmaß des Leids und des Terrors berichten können", sagte Herzog. Damit zum Erinnern auch Verstehen komme, bräuchten die Menschen Bilder, sagte Herzog: "Sie halten uns wach."Sichtlich gerührt nahm Spielberg den Orden entgegen: "Dies ist eine der höchsten Ehrungen in meinem Leben." Es habe ihn tief bewegt und sehr ermutigt, wie der Film in Deutschland aufgenommen worden sei. Vor allem junge Deutsche schienen zu begreifen, wie anders ihr Land jetzt sei als das ihrer Großväter und wie wachsam man sein muß, damit dies auch so bleibe. Sein wichtigstes Projekt sei nun seine Shoa-Stiftung. "Die Zeitzeugen sind nicht nur Opfer, sondern auch Lehrer", sagte Spielberg. Am Vormittag hatte Spielberg in einem Berliner Gymnasium seine neue CD-ROM präsentiert, die die Geschichte von vier Überlebenden nachzeichnet. "Menschen müssen die Geschichte verstehen, damit sie sich nicht wiederholt", sagte Spielberg. Auch in seinem neuen Film "Der Soldat Ryan", der im Zweiten Weltkrieg spielt, habe er versucht, die Geschehnisse möglichst realistisch darzustellen. "Ich wollte zeigen, wie schrecklich Krieg wirklich ist."(Seiten 11 und 19)