"Super-Illu, erscheint heute mit der Schlagzeile. der Journalist. Moderator und Autor Mathias Wedel sei ein Stasl-Spitzel, der für die Verhaftung seiner ehemaligen Rundfunkkollegin Barbara Große 1983 verantwortlich sei. Mit Mathias Wedel, der soeben mit seinem Buch "Einheitsfrust spektakulären Erfolg hatte, sprach Birgit Walter.Berliner Zeitung: Worauf gründet die Zeitung ihren schweren Vorwurf?Mathias Wedel: Unter dem Decknamen "IM Milan" fand sich in der Gauck-Behörde ein Bericht über Barbara Große, in dem ihr eine zynische Haltung zur DDR und zur SED vorgeworfen wird. Ich bin lOüprozentig sicher, diesen Text nicht geschrieben zu haben. Ich sehe keinerlei Zusammenhang zwischen einer Stasi-Tätigkeit und ihrer Verhaftung.Barbara Große, die 30 Monate im Gefängnis saß, sieht diesen Zusammenhang. Wie gut haben Sie sie gekannt?Kaum -- wir hatten beim Sender L~ipzig vielleicht acht Frühdienste gemeinsam. Ich habe jetzt mit ihr telefoniert. Sie will so verstanden werden, daß im Grunde jede Zusammenarbeit mit der Staatsmacht ir, gendwie dazu geführt habe, daß Dissidenten bestraft wurden. Deswegen behauptet sie, dieser Bericht hätte sie ins Gefängnis geführt.Sie geben zu, sich 16jährig für eine Stasi-Mitarbeit entschieden zu haben. Wie lange dauerte die?Ja, ich war 16 oder 17, habe aus Sensationslust und Neugier eine Verpflichtung unterschrieben. Ich wollte als Agent nach Tokio, wie Richard Sorge, eine völlige Seibstüberschätzung. Die Verbindung schlief in den 70er Jahren von seiten der Stasi ein. Aus Faulheit, Schlanipigkeit, dachte ich, und weil ich soviel Krach im Studium hatte eine Exmatrikulationsandrohung, zwei Parteiausschlußverfahren. Ich glaubte zu unsicher geworden zu sein, spätestens seit der Biermann-Ausbürgerung 1976.Die Informationen über Barbara Große unter "IM Milan" sind aus dem Jahre 1983.Ich habe keine Erklärung. Meine Vermutung: aus Gesprächen mit Parteisekretären und Offizieren im besonderen Einsatz wurden Informationen unter einem alten Decknamen gesammelt.Von mir stammt der Bericht definitiv nicht, ich hatte auch keinen Auftrag.Wie kam das Blatt in Ihre Akte? Dort gingen nach einer Doppelseite über mein Buch viele Protestbrlefe von Lesern gegen mich ein. So hat man sich um meinen Lebenslauf gekümmert. Ich war weder Bonze noch Reisekader, also wurde weitergesucht. Gefunden haben sie nicht meine Opferakte -- vier IM haben sich nach der Wende bei mir entschuldigt, mein Telefon wurde ewig abgehört -, sondern meinen Decknamen. Die Einseitigkeit ist das Schlimme. Super-lllu zitiert Sie so: Goethe war ein Schwein, Brecht war ein Schwein. dann bin ich eben auch ein Schwein.Von dem Satz distanziere ich mich natürlich.Was werden Sie unternehmen? Ich werde bei der Gauck-Behörde die Akten einsehen und gucken, wie der Zusammenhang zu Barbara Große überhaupt hergestellt worden ist. Wenn ich sicher bin, nichts damit zu hin zu haben, gebe ich eine eidesstattliche Erklärung ab, die eine Gegendarstellung nach sich zieht. Es wird mir nicht mehr viel nutzen.Das klingt sehr deprimiert. Ich sehe überhaupt keine Chance mehr, mich zu rechtfertigen, zu rehabilitieren, bei dieser öffentlichen Meinungsmache. Im Journalismus, auch als Autor, bin ich erledigt. Von mir wird keiner mehr was drucken. Bald werde ich sehen müssen, wo ich die Miete herkriege. Schon Dienstag hat der ORB meine Verträge gekündigt.Mathias Wedel