BERLIN, im August. Voller Ehrfurcht steht Axel Hilpert vor der Glasvitrine in der Ecke seines Büros. "Das ist der Schal vom Kamba Lama, einem hohen buddhistischen Würdenträger", sagt er und zeigt auf ein rotes Tuch. "Reiskörner aus Nepal sind darin verknotet. Eine heilige Gabe."Wir schweigen. Gedämpft klingt von draußen das Hämmern der Zimmerleute herein, die auf Brandenburgs größter Hotelbaustelle, dem "Resort Schwielowsee" auf der Halbinsel Petzow bei Werder, eine Ferienanlage der Superlative errichten. Auf zweieinhalb Millionen Quadratmeter Land entstehen hier zwanzig in amerikanischer Holzbauweise errichtete Ferienhäuser, ein Vier-Sterne-Plus-Hotel, ein Schlosshotel, ein Bootshafen mit 65 Liegeplätzen, eine großzügige Wellnessanlage mit traditioneller chinesischer Medizin und ein Golfplatz. Fünfzig Millionen Euro stecken in dem Projekt, ein Fünftel davon aus Landesmitteln. 2005 soll alles fertig sein, dann sollen hier bis zu 600 Menschen arbeiten. "Wissen Sie, dass sich unsere Anlage in einem positiven Fünfeck befindet?", fragt Hilpert plötzlich. Noch immer schaut er andächtig auf den Schal in der Vitrine. "Das hat der Kamba Lama im vorigen Jahr gesagt, als er hier war, um unseren zukünftigen Start- und Landeplatz für die Wasserflugzeuge zu segnen." Ein positives Fünfeck? "Ja, das bedeutet: Man kommt mit völlig schlechter Laune hierher und geht nach zwei Stunden wieder leicht und lächelnd davon", sagt er. "Die Schwingungen, Sie verstehen."Im Berliner Büro von Hans-Hermann Tiedje, Chef der Politik-Beratungsfirma WMP Eurocom und Hilperts Partner im Hotelprojekt Schwielowsee, ist von den Petzower Schwingungen nichts zu spüren. Zigarre paffend, mit heruntergezogenen Mundwinkeln, sitzt der 55-Jährige in seinem Arbeitszimmer an der Alten Jakobstraße. Zwei Tage zuvor war die Staatsanwaltschaft hier und hat nach Unterlagen für einen Beratervertrag mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) gesucht, der die WMP im vergangenen November in die Schlagzeilen und BA-Chef Florian Gerster um seinen Job brachte. Mag sein, dass es seit dem Skandal bei Tiedje besonderen Argwohn hervorruft, wenn sich ein Reporter zu sehr für seine Geschäfte interessiert. Jedenfalls zählt der einstige Berater von Kanzler Helmut Kohl erst einmal auf, welche Politiker und Chefredakteure er kennt, bevor er, noch ehe die erste Frage gestellt ist, eine Erklärung abgibt: "Wenn Sie in irgendeiner Form insinuieren, dass auf der Baustelle am Schwielowsee KoKo- oder Stasi-Gelder verbuddelt sind, dann ist das definitiv falsch." Tatsächlich gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass veruntreute Millionen aus den Kassen des DDR-Geheimdienstes oder aus dem Devisenimperium von Alexander Schalck-Golodkowski in das Hotelprojekt geflossen sind. Dass Tiedje dennoch so dünnhäutig ist, mag daran liegen, dass manche seinen Partner Hilpert für ein Problem halten. Konkret gesagt: Den DDR-Hilpert.Bis 1989 war Axel Hilpert Antiquitätenhändler im Osten. Über Jahre hinweg arbeitete er für Schalcks berüchtigte KoKo-Firma Kunst & Antiquitäten. Noch viel länger aber war er der Stasi zu Diensten - seit 1971, als Inoffizieller Mitarbeiter "Monika" der Hauptabteilung II/1. Diese Einheit war die gefürchtete "Hauskapelle" im MfS, die ständig nach Abweichlern und Abtrünnigen in den eigenen Reihen fahndete. IM "Monika" könnte dabei die Aufgabe zugefallen sein, andere Inoffizielle zu überwachen und deren Lebenswandel aufzuklären."Könnte" muss man sagen, denn Hilperts umfängliche Stasi-Akte ist verschwunden, und er selbst spricht nicht gern über die alte Zeit. Etwa darüber, ob er tatsächlich - wie es in einem erhalten gebliebenen MfS-Bericht heißt - im November 1987 Gespräche mit dem kubanischen Staatssicherheitsdienst führte und Stasi-Minister Mielke darüber persönlich informierte. Oder über seine angebliche Berufung zum Ehrenoberst des kubanischen Innenministeriums. Interessant wäre auch zu erfahren, warum Mielke-Vize Gerhard Neiber 1985 den offenbar so wertvollen IM "Monika" alias Hilpert vor einer Anklage wegen krimineller Spekulationsgeschäfte mit Autos, Gold und Antiquitäten bewahrte.Tiedje - so sagt er jedenfalls - interessiert das alles nicht. Ihn nerve nur, dass Hilpert gelegentlich in die Stasi-KoKo-Ecke gestellt werde und man ihm deshalb anrüchige Geschäfte unterstelle. "Ich habe seit vielen Jahren eine freundschaftliche Beziehung zu ihm", sagt Tiedje. "Wenn Menschen wie er oder Alexander Schalck, der auch mein Freund ist, dazu stehen, was sie in der DDR gemacht haben, dann finde ich das hoch anständig." Leute wie Gregor Gysi etwa oder wie Christa Wolf, "die ja auch mal IM war, brauchen mir heute nicht mit Moral kommen. Da höre ich weg."Auf Hilpert aber hört Tiedje - seit Jahren. Er kaufte die Grundstücke in Brandenburg, die sein Freund ihm empfohlen hatte, er vermittelte ihn an das Nachrichtenmagazin Spiegel, als Hilpert das Mosaik aus dem Bernsteinzimmer fand ("Der Aust ist mir heute noch dankbar, der hat mir sogar Spargel bei sich zu Hause gekocht", prahlt Hilpert.), und er stieg nach einem Tipp seines Partners im Jahr 2000 bei einer kleinen Firma ein, die am Neuen Markt so richtig Kasse machen sollte. Dieses letzte Geschäft aber ging gründlich daneben, was sogar die Staatsanwaltschaft kurzzeitig auf den Plan rief. Das lag aber vor allem an einem der seinerzeitigen Geschäftspartner von Hilpert und Tiedje - Eric-Olaf Röntz, ein damals viel gelobter Newcomer in der Werbebranche, der im Januar 2003, hoch verschuldet, von seinem Leibwächter im Streit erstochen wurde.Stasi, KoKo, Röntz - diese Themen mögen die beiden Freunde nicht. "Störfeuer" nennt Hilpert es, wenn er danach gefragt wird. Er und Tiedje sagen, sie würden lieber einen Bericht lesen über das, was am kommenden Samstag am Schwielowsee ansteht: Mit 700 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien wolle man dann das Richtfest für die Hotel-Anlage feiern. Musik und exzellente Speisen gibt es, ein Wasserflugzeug soll landen und Brandenburgs Wirtschaftsminister Junghanns wird eine Rede halten. Harmonie ist angesagt, oder wie Hilpert es ausdrückt: "Lassen Sie uns nach vorn schauen."------------------------------Foto: Axel Hilpert, früher Stasi-IM, heute Hotelinvestor