Berlin - Auf dem Tisch stehen zwei Computerbildschirme, dazwischen ein Telefon. An der Korkpinnwand hängen handschriftliche Notizen, eine Ansichtskarte mit Grüßen aus Neapel, ein paar Knastcartoons. Andreas sitzt am Schreibtisch vor den Bildschirmen. In einer Tasse, die neben der Tastatur steht, dampft Kaffee. Andreas ist 46 Jahre alt und, wenn man so will, Chefredakteur. An einem Tisch gegenüber hat sich Bernd niedergelassen, ein Jahr jünger als Andreas und Redakteur. Alles sieht in diesem Raum aus wie in einer normalen Redaktion. Wären da nicht die schwere Eisentür am Eingang des Büros und die Gitter vor dem Fenster, durch das man auf einen tristen Hof blickt – Andreas und Bernd arbeiten in Zelle 117 der Justizvollzugsanstalt Tegel. Hier befindet sich die Redaktion des Lichtblick, der einzigen unzensierten Gefangenenzeitung in diesem Land. Am 25. Oktober 1968 erschien sie zum ersten Mal, eine Zeitung von Gefangenen für Gefangene. Der damalige Anstaltsleiter Wilhelm Glaubrecht hatte sie gegründet. Zu seiner Zeit waren in Tegel 1600 Männer eingesperrt; derzeit gibt es 867 Haftplätze, von denen 680 belegt sind.

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