Yucatán, Mexiko: Höhlen unter Wasser und die sicherste Stadt des Landes

Unsere Kolumnistin kommt bei ihrer Reise um die Welt im Süden Mexikos an. Sie entdeckt die Kultur der Maya. Und Sonntage, die sie sich in Berlin wünschen würde.

Blick auf das archäologische Gebiet von Chichen Itza, eine Kultstätte der Maya-Kultur.
Blick auf das archäologische Gebiet von Chichen Itza, eine Kultstätte der Maya-Kultur.Morales

Dritte Etappe unserer Reise: Yucatán, Mexiko. Seit einer Woche fahren mein Mann und ich mit dem Mietauto über die mexikanische Halbinsel. Bei 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit erkunden wir Maya-Ruinen, Wassenhöhlen (Cenotes) und ehemalige Kolonialstädte. Es könnte schlimmer sein. Im Autoradio läuft „Derecho de Nacimiento“, ein Lied der Sängerin Natalia Lafourcade. Es handelt vom Recht, nicht ohne Grund geboren zu sein, und davon, nicht aufzugeben, egal was kommt. Wir treffen Menschen, die dieses Recht zu leben scheinen. Touristenführer:innen, Umweltschützer:innen, Musiker:innen. Sie teilen mit uns ein Stück Leben in einer Gegend, in der Geschichte Gegenwart zu sein scheint.

Yucatán ist Maya-Land. Die Maya, die ursprünglichen Einwohner:innen Yucatáns, sind allgegenwärtig in Sprache, Kultur und Küche. Ihr Widerstand gegen die spanische Eroberung wird in Museen stolz gefeiert. Bis heute sprechen mehr als eine Million Menschen in Yucatán Maya. Die Ruinen der einstigen Maya-Städte sind Touristenmagneten. Allen voran Chichén Itzá, eines der neuen sieben Weltwunder.

Dessen Steinruinen ragen hoch aus dem Dschungel und ziehen die Touristenmassen aus den Hotel-Resorts an. „Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle der Region“, erzählt uns Gilber. Er ist Touristenführer an der Ostküste Yucatáns. Seit Jahren bietet er kleine Alternativtouren an; mit uns kocht er Maya-Gerichte in seinem Haus und wirbt für ökologisches Bewusstsein. Umweltschutz habe es schwer in der Gegend, sagt er. Der Tourismus sei einfach zu wichtig.

Gilber führt uns durch kleine regionale Cenotes. Das sind unterirdisch verbundene Wasserhöhlen, die sich über ganz Yucatán erstrecken. Über 1000 Cenotes gibt es auf der Halbinsel. Für die Mayas waren sie heilig. Die heutigen Besitzer:innen widmen sie eher dem Gott des Geldes. Der mag auch Schnorcheltouren mit Wasserschildkröten – jahrelang brachten diese Touren guten Profit. Die Tiere wurden dabei krank vor Stress. Angelockt von Fischködern kamen am Ende die Barracudas und bissen die Touristen. Seitdem dürfen pro Tag noch 130 Menschen mit den Schildkröten schnorcheln – mit viel Abstand und ganz ohne Fisch. „Wir bewegen uns im Territorium der Tiere und sollten das respektieren“, sagt Gilber. Es hat lange gedauert, aber jetzt gibt es ein wenig Respekt. Immerhin.

Kostenlose Museen, die Innenstadt für Radfahrer

Auf den Spuren der Maya kommen wir auch nach Mérida, die Hauptstadt Yucatáns. Auf den ersten Blick scheint die Stadt verfallen, chaotisch und laut. Es gibt laute Musik, Straßenstände und Menschenmassen. Auf den zweiten Blick ist Mérida aber voll von Kultur, Musik und stolzer Geschichte und Gegenwart. Es sei eine Touristenstadt, ohne eine Touristenfalle zu sein, sagen uns Einheimische. Sie sind stolz auf ihre Stadt; seit Jahren gilt sie als die sicherste Mexikos. Es gibt kostenloses öffentliches Internet und Ladestationen, kostenlose Museen, und sonntags ist die Innenstadt für Fahrradfahrer:innen reserviert. Das wünsche ich mir für Berlin.

Wir sind zum Stadtfest „La Noche Blanca“ (Die weiße Nacht) hier – eine Art Karneval der Kulturen. In der ganzen Stadt gibt es Bühnen, Musik und Menschen, die auf den Straßen tanzen und zusammen das Leben feiern. Mit ihnen stoßen wir an – auf das Recht, nicht ohne Grund geboren zu sein. In diesem Moment wünschen wir uns ein kleines Stück Mexiko auf der ganzen Welt.