Die Bahn modernisiert den Bahnhof Ostkreuz in den nächsten zehn Jahren für 411 Millionen Euro - aber für den Bau der geplanten 132 Meter langen Bahnhofshalle für den Regionalverkehr hat sie kein Geld. Bahnmanager Lothar Legler räumte gestern bei der Vorstellung der Umbaupläne ein, die Finanzierung sei "momentan nicht gesichert". Statt der Halle sei deswegen zunächst nur ein flaches Dach für den Bahnsteig vorgesehen.Legler begründete den Verzicht auf den Bau der Halle damit, dass dort zunächst nur ein Zug pro Stunde halten soll. Der Bund, das Land Berlin und die Bahn hätten gemeinsam entschieden, auf den Bau der Bahnhofshalle zu verzichten. Dadurch werden nach Angaben der Bahn sieben bis acht Millionen Euro gespart. Legler sagte, er sei aber optimistisch, dass die Halle noch gebaut werde. Er regte eine Finanzierung des Projekts in öffentlich-privater Partnerschaft an. Bis zum Jahr 2015 muss über den Bau der Bahnhofshalle entschieden werden, weil das Baurecht, der so genannte Planfeststellungsbeschluss, dies nur bis dahin möglich macht.Ganz ungeschützt werden die Fahrgäste auf dem Regionalbahnsteig aber auch ohne den Bau der Halle nicht sein. Denn direkt neben dem Bahnsteig entsteht eine große Bahnhofshalle für die Fahrgäste der S-Bahn. Weil diese Halle westlich des Regionalbahnsteigs liegt, sind die Fahrgäste wenigstens vor Wind und Regen aus der Hauptwindrichtung teilweise geschützt.Wann die Bauarbeiten für den Umbau des Ostkreuzes offiziell beginnen, ist noch unklar. Einen Termin für den symbolischen ersten Spatenstich gibt es noch nicht. Zurzeit laufen allerdings die Vorbereitungen für den Bau. 2 000 Bäume wurden bereits gefällt, sagte Projektleiter Matthias Künsting. Gegenwärtig würden die Ausschreibungsunterlagen für die Bauaufträge erarbeitet. Mit größeren sichtbaren Arbeiten sei aber erst im kommenden Jahr zu rechnen.Bis diese beginnen, wird der Umbau des Ostkreuzes zunächst das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beschäftigen. Denn gegen das Bahn-Projekt sind insgesamt drei Klagen und zwei Eilanträge eingereicht worden. Das sagte gestern eine Sprecherin des Gerichts. Rein rechtlich dürfte die Bahn bauen, sagte die Sprecherin. Über die Eilanträge sei jedoch noch nicht entschieden. Wenn die Bahn jetzt bauen wolle, solle sie den zuständigen Senat darüber informieren.Schallschutz gewünschtDie Klagen richten sich gegen eine oberirdische Stromleitung sowie den Bau eines Teils der Stadtautobahn-Verlängerung im Zuge der Umbauarbeiten. Mehrere Hauseigentümer bemängeln zudem, dass der vorgesehene Schutz vor Lärm und Erschütterungen zu gering sei. Die Anwohner sehen den Bauarbeiten ebenfalls mit Skepsis entgegen. Sie wünschen sich, dass die Bahn die Lärmschutzfenster für ihre Wohnungen bereits vor Beginn der Arbeiten einsetzt und nicht erst danach. Projektleiter Sven-Erik Baer konnte gestern noch keinen genauen Zeitpunkt nennen. Er sagte aber, die Bahn sei "bestrebt", die Schutzfenster vorher einzubauen.Auch die Fahrgäste müssen sich während der Bauarbeiten auf Einschränkungen und Sperrungen gefasst machen. S-Bahn-Baubetriebsmanager Christian Morgenroth versicherte aber: "Wir werden bemüht sein, dass sich die Sperrzeiten auf die Wochenenden beschränken."------------------------------Das ist geplantDas Ostkreuz soll in den nächsten zehn Jahren für 411 Millionen Euro zu einem modernen Umsteigebahnhof umgebaut werden. Außer den S-Bahn-Zügen auf der Ring- und Stadtbahn sollen dort künftig auch Regionalzüge halten.Das Umsteigen wird für die Fahrgäste sehr viel komfortabler, weil die Züge in eine Richtung jeweils an einem Bahnsteig halten. So müssen die Fahrgäste nicht mehr Treppen rauf- und runterhetzen, um ihren Anschlusszug stadteinwärts oder stadtauswärts zu bekommen.Behinderte werden sich auf dem Bahnhof erstmals nach dem Umbau barrierefrei bewegen können. Es entstehen zehn Aufzüge und 15 Rolltreppen, die die Bahnsteigebenen miteinander verbinden.Nach Fertigstellung des neuen Bahnhofs Ostkreuz werden dort täglich 123 000 Fahrgäste erwartet, die in der neuen Station ein-, aus- oder umsteigen. Rund 1 000 S-BahnZüge sowie 400 Züge im Fern- und Regionalverkehr werden täglich durch den Bahnhof rollen.Einschränkungen gibt es während der Bauzeit vor allem auf den S-Bahn-Linien S 3 und S 9. Die S 3, die sonst zwischen Erkner und Ostbahnhof verkehrt, fährt zwischenzeitlich nur zwischen Erkner und Ostkreuz. Dort müssen die Fahrgäste Richtung Ostbahnhof umsteigen. Die Linie S 9, die bisher von Spandau bis zum Flughafen Schönefeld durchgehend fährt, wird während der Bauarbeiten nur zwischen Flughafen Schönefeld und Treptower Park rollen. Um nach Spandau zu kommen, müssen die Fahrgäste zwei Mal umsteigen.------------------------------Foto: Das neue Ostkreuz: Die Bahnhofshalle für den Regionalverkehr gibt es zunächst nur in der Computersimulation.