Johannesburg - Zum Abschluss der ersten großen Reise von Barack Obama nach Afrika gönnte die New York Times nicht dem amtierenden, sondern einem ehemaligen US-Präsidenten eine begeisterte Bilanz. Die überschwängliche Würdigung galt Obamas Vorgänger George W. Bush, der sich zufällig zur selben Zeit wie Obama auf dem Kontinent aufhielt. Zu Hause mag Bush als Kriegstreiber geächtet sein, in Afrika genieße er höchstes Ansehen, schrieb die New York Times. Er wird unter anderem als Gründer des mit 15 Milliarden Dollar ausgestatteten „President's Emergency Plan for Aids Relief“ (Pepfar) gepriesen, der Millionen HIV-infizierten Afrikanern das Leben gerettet hat.

Nicht nur gegen dieses Ansehen seines Vorgängers hatte sich Barack Obama während seiner einwöchigen Reise zu behaupten. In Südafrika sah er sich mit der Angst der Menschen dort um den sterbenden Nelson Mandela konfrontiert. Mandela war erster dunkelhäutiger Präsident seines Landes und ebenfalls Friedensnobelpreisträger. Und letztlich waren auch die enormen Erwartungen an ihn eine Bürde, die seine Wahl zum Präsidenten der Supermacht auf dem Kontinent hervorgerufen hatte. Er gilt hier als ein „Sohn Afrikas“.

Barack Obama hat sich auf seiner Afrika-Tour erstaunlich gut geschlagen. Seine Dreiländer-Reise war genau wie seine Wahlkämpfe generalstabsmäßig durchgeplant: Jedes Land hatte seinen Schwerpunkt, jeder Schwerpunkt sein Programm.

Im Senegal stand die in Afrika noch immer prekäre Nahrungsmittelsicherheit im Vordergrund: Sie wird durch das von der Obama-Regierung ins Leben gerufene „Feed the Future“-Programm und dessen agrartechnologische Hilfestellung unterstützt.

In Südafrika galt die Aufmerksamkeit den Jugendlichen des Kontinents: Sie sollen von dem neu eingerichteten „Washington Fellowship for Young African Leaders“ profitieren, einem Studien- und Stipendiumprogramm für Führungskräfte.

In Tansania kam schließlich die notorische Elektrizitätskrise des Erdteils zur Sprache: Diesem Problem will man mit dem „Power Africa“-Programm zu Leibe rücken. Diese Stromversorgungsprojekte sind Obama sieben Milliarden Dollar Wert. Das sind zwar weniger als die Hälfte der 15 Pepfar-Milliarden des Vorgängers Bush. Doch das Versprechen wird in Zeiten des Sparzwangs gegeben, wo jeder Dollar doppelt zählt.

Außerdem hat sich der Kontinent seit den Bush-Zeiten rasant verändert. Sieben der zehn wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Staaten der Erde befinden sich auf diesem Kontinent. Handel statt Hilfe, lautet daher die Devise. „Afrika muss von den Afrikanern selbst aufgebaut werden“, war dann auch ein Gedanke, den Obama ständig wiederholte. „Unser Job ist es, als Partner zur Verfügung zu stehen.“ Das mögen Zyniker als Vorwand zum Nichtstun verstehen. Doch das ist es nicht: Die Landwirtschaft zu stärken, bei der Heranbildung einer jungen Elite zu helfen und Strom für die Industrialisierung zu erzeugen, das gehört zu den Pfeilern der „afrikanischen Renaissance“.

Afrika wird nicht mehr vernachlässigt, sondern erfreut sich größter Aufmerksamkeit: Global herrscht ein Wettkampf um die Bodenschätze des Kontinents. Darum und um die unerschlossenen Märkte Afrikas konkurrieren aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien mit dem Westen, der allerdings mit seinen eigenen Krisen beschäftigt ist.

Vorwürfe, Obama tue mehr für die Heimat seines – kenianischen – Vaters denn für die USA, muss der Präsident in seiner zweiten Amtszeit nicht mehr fürchten. Wer Afrika stärkt, stärkt auch die exportierende US-Industrie, betonte Obama während seiner Reise immer wieder: Vielleicht vernimmt man ja irgendwann auch einmal in Europa die Botschaft dieser Worte.