BERLIN, 12. Juni. Der Auftritt ist beendet. Vielleicht ein wenig früher als erwartet, aber nicht unverhofft. Barry Forde hat eine Jacke über sein gelbes Trikot gezogen, ist wieder auf sein Rennrad geklettert und dreht zum Lockern der Muskeln langsam seine Runden um das Siegerpodest im Velodrom. Dort wo sich einige Stunden später die ersten Sieger des Bahnradweltcups in Berlin feiern lassen werden, wo der 21jährige selbst eines Tages auch einmal stehen möchte: oben auf dem Treppchen. Deshalb hat der schlaksige Mann aus Barbados für die Sprint-Konkurrenz mit den Favoriten Florian Rousseau (Frankreich), der am Freitag morgen Bahnrekord fuhr, und Jens Fiedler, dem zweimaligen Olympiasieger aus Chemnitz, gemeldet. Im Velodrom begegnen sich zwei Welten. "Aber gerade deshalb muß ich hier fahren", sagt Barry Forde. "Nur solche Wettkämpfe bringen mir die nötige Erfahrung." Das olympische Motto "Dabeisein ist alles" ist längst nicht mehr sein Leitfaden. "Schneller, höher, weiter" heißt inzwischen seine Devise. Fordes Ziel für diese Saison: "Ich möchte mich für die Weltmeisterschaften qualifizieren." Der erste Anlauf dazu schlug fehl. Beim Weltcup in Berlin war die erste Runde bereits die Endstation für den Athleten aus der Karibik: WM-Qualifikation verpaßt fürs erste. "Jetzt werde ich mich auf die Pan-amerikanischen Spiele konzentrieren und versuchen, über diese zur WM zu kommen", sagt Forde und formuliert das "große Ziel" seiner Karriere so: "Irgendwann einmal will ich bei Olympischen Spielen antreten." Ein ehrgeiziger Plan für einen Athleten, in dessen Heimat Radsport eine Popularität genießt wie hierzulande Cricket. "Auf Barbados spielt dieser Sport überhaupt keine Rolle, es interessiert sich einfach niemand dafür", erklärt Forde.Training in BerlinHätte sein Vater nicht als Amateur in die Pedale getreten, Forde wäre wohl nie auf die Idee gekommen, sich für jene Disziplin auf zwei Rädern zu entscheiden. So aber ging er zunächst in die USA, um mit finanzieller Unterstützung seiner Eltern und einem kleinen Zuschuß seines Landesverbandes zu trainieren. Später kam er in Kontakt mit der Mannschaft Südafrikas. Mittlerweile bereitet er sich gemeinsam mit dem Team vom Kap auf Wettkämpfe vor. Seit diesem Jahr unter Leitung des Berliners Bill Huck.Der ehemals aktive Radsportler und jetzige Trainer Südafrikas ist vorübergehend in seine Heimatstadt übergesiedelt, um Forde und van Zyl gezielt auf die anstehenden Wettkämpfe vorzubereiten. "Ich mußte erst einmal System ins Training reinbringen", sagt Huck, der zunächst bis zum Jahresende einen Vertrag mit dem südafrikanischen Verband hat. "Eine zielstrebig auf Saisonhöhepunkte ausgerichtete Planung hat die Mannschaft bislang nicht gekannt."Vom Sportforum Hohenschönhausen aus machten sich Huck und seine Mannen bereits auf Wettkampfreise nach Cottbus, wo Forde Sechster wurde, und nach Hannover. Dort kam er auf Platz vier. "Das war zwar schon nicht schlecht", sagt Huck, "aber mit dem Weltcup in Berlin nicht zu vergleichen. Hier ist alles am Start, was Rang und Namen hat." Gleichwohl: Deprimiert ist Forde nach seinem Ausscheiden nicht: "Ich denke bereits an den nächsten Weltcup in Hyeres. Auch da kann ich wieder Erfahrung sammeln." Und eines Tages, so hat er sich vorgenommen, wird er das Siegerpodest besteigen und nicht nur, so wie am Freitag in Berlin, mit seinem Rad umkreisen.

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