LEVERKUSEN, 6. Oktober. Die Basketball-News, das Vereinsblatt des TSV Bayer 04 Leverkusen, gaben sich alle Mühe, die Partie als einen der "heftigsten Knüller, die die Bundesliga zu bieten hat" zu verkaufen. Aber so recht wollte das nicht gelingen. Selbst Manager Otto Reintjes ließ sich nur mit müden Worten zitieren: "Sieben Jahre wollten die uns vom Sockel stoßen, jetzt steht erst mal Berlin da oben. Da werden wir gelassen zusehen."Negatives Punktverhältnis Etwas anderes bleibt dem deutschen Basketball-Rekordmeister Leverkusen auch kaum übrig. Im Jahre zwei nach dem letzten ihrer 14 Titelgewinne müssen die "Riesen vom Rhein" sogar darum fürchten, den Anschluß ans nationale Mittelfeld zu verlieren. Durch die 81:94-Niederlage am Sonntag gegen Meister Alba Berlin weist das Team von Dirk Bauermann nach sieben Spieltagen ein negatives Punktverhältnis auf (6:8). Aus der Europaliga stieg das Werksteam in der vergangenen Saison sang- und klanglos ab.Verfehlte Personalpolitik, stagnierende Zuwendungen des Hauptsponsors, rapider Zuschauerschwund ­ die Talfahrt des einstigen Krösus der Liga war rasant. Selbst in der letzten Meistersaison 1995/96 sank der Zuschauerschnitt in der 4 500 Plätze bietenden Wilhelm-Dopatka-Halle gleich neben dem Haberlandstadion von 2 000 auf 1 500. Der geschätzte Saison-Etat liegt bei gut vier Millionen Mark. Damit gehört Bayer zwar nach wie vor zu den Wohlhabenderen der Liga, der Abstand zu Berlin (rund acht Millionen) ist aber beträchtlich.Er könnte in Zukunft nahezu unüberwindbar werden. "Die Schere zwischen Klein und Groß wird immer weiter auseinandergehen", glaubt Leverkusens Manager Otto Reintjes, der Dienstälteste der Liga, "den mittleren Sport wird es langfristig nicht mehr geben." Darunter versteht er kleine Vereine, die bisher in den unteren Tabellenregionen ihr Dasein fristen und ihren Fans Turnhallen-Atmosphäre zumuten.Beim Basketball hat Alba Berlin 1996 den deutschen Konkurrenten mit dem Umzug von der Sömmeringhalle (4 000 Plätze) in die Max- Schmeling-Halle (9 000) vorgemacht, wie der Sport attraktiv präsentiert werden kann ­ und erfolgreich dazu. Prompt ziehen die ersten nach. Der TuS Herten benannte sich vor dieser Spielzeit in "Ruhr Devils" um und ging in die 10 000 Menschen fassende Centro- Arena in Oberhausen. Pläne für größere Hallen liegen in Braunschweig, Bonn, Rhöndorf, Trier und Ulm in den Schubladen.Gespräche liegen auf Eis Und Leverkusen? Im letzten Sommer wurde darüber spekuliert, ob sich Bayer mit Rhöndorf zu einem zentralen rheinischen Basketball-Klub zusammenschließen soll, doch die Gespräche liegen mittlerweile auf Eis. Leverkusen spekuliert dagegen auf die neue, 12 000 Plätze bietende Arena in Köln, die Ende 1998 fertiggestellt sein soll. "Persönlich glaube ich, europäischer Basketball geht nur in Köln", sagt Reintjes. Der Manager geht davon aus, daß es spätestens in fünf Jahren eine "große europäische Liga" geben werde. Die 1995 gestartete Europaliga ist in seinen Augen nur eine Zwischenstation zu einer nach dem Vorbild der nordamerikanischen NBA organisierten Eliteklasse, möglichst ohne Auf- und Abstieg. Und natürlich soll sein Team dann dabeisein.Ob allerdings der Bayer-Konzern einer Verpflanzung der Mannschaft nach Köln zustimmen würde, ist höchst zweifelhaft. In den nächsten Monaten will Reintjes entsprechende Gespräche führen. Eine Entscheidung pro oder contra Köln müsse spätestens im nächsten Jahr fallen, damit genug Zeit bleibt, um den Umzug für die Spielzeit 1999/2000 vorzubereiten. Und ob sich eine solche Arena in Deutschland mit Basketball füllen ließe, steht ebenfalls noch in den Sternen. In den USA kommen regelmäßig 20 000 bis 30 000 zu den NBA-Spielen, aber in Amerika hat der Sport einen viel größeren Stellenwert. In "good old germany" seien 6 000 bis 10 000 Plätze optimal, glaubt Reintjes. Aber er gibt zu: "Letztlich entscheiden die Zuschauer, ob der Weg richtig ist. Sie sind das Korrektiv."