Eigentlich eine schöne Idee: In der Zukunftswelt dieses japanischen Films ist die Gewalt in den Schulen derart eskaliert, dass Lehrer und Regierung zu Rachemaßnahmen greifen. An besonders aufsässigen Schülern wird ein blutiges Exempel statuiert - man deportiert sie auf eine entlegene Insel und spielt dort das "Battle Royale"-Spiel mit ihnen. Drei Tage haben die Delinquenten Gelegenheit, einander bis zum letzten Mann zu massakrieren. Nur der letzte Mann, der am Ende noch lebt, darf nach Hause gehen. Partnerschaftliche Aktionen sind nicht erlaubt: Bleibt mehr als ein Schüler übrig, werden die Überlebenden sämtlich getötet.Kinji Fukasaku, in seinem mehr als dreißigjährigen Schaffen vor allem als Regisseur von Kriegsfilmen und Yakuza-Thrillern bekannt, versteht seinen neuen Film als Parabel auf die Zerrüttung der japanischen Gesellschaft. Ein japanischer Film- und Fernsehstar ist in der Hauptrolle zu sehen: Takeshi Kitano spielt einen gepiesackten Lehrer, der sich freudvoll an seinen Peinigern rächt. Das sadistische Selbsttötungsspiel dirigiert Kitano mit regungsloser Showmaster-Miene: dreimal am Tag gibt er über ein Megafon die neusten Totenlisten bekannt.Denn getötet wird in diesem Film ausgiebig. Vom Moment ihrer Verbannung an gehen die Schüler bereitwillig aufeinander los, ohne Rücksicht auf Verluste und mit sämtlichem Gerät, das die Oberspielleitung ihnen zur Verfügung stellt: Kleinkalibergewehre, Pistolen, Pumpguns, Armbrüste, Handgranaten, Klappmesser und Äxte. Die dazugehörige Moral der Geschichte lautet wohl etwa wie folgt: Die Kluft der Gewalt klafft nicht nur zwischen Lehrern und Schülern. Sie hat auch alle anderen Formen des gesellschaftlichen Miteinanders zerstört, selbst die elementare Solidarität der Jugendlichen gegen die Erwachsenenwelt.Das ist gut beobachtet, hätte aber einer psychologischen Illustration bedurft. Leider bleibt Fukasakus Figurenzeichnung durchweg blass. Nicht nur werden die einzelnen Charaktere ermordet, bevor man sie gut genug kennengelernt hat - es sind auch schlichtweg zu viele, als dass man eine Beziehung zu ihnen aufbauen wollte. Immerhin werden binnen hundert Minuten über vierzig Pennäler massakriert - da verliert man schon einmal den Überblick.Weitaus mehr Zeit als auf Psychologie wird denn auch auf die blumige Inszenierung des Sterbens verwandt, auf platzende Körper und sprudelndes Blut. Doch sind diese Effekte nicht so originell, dass sie allein schon für Kurzweil sorgen könnten. Sollte der Film wirklich ernst gemeint sein, ist das Serielle fatal: bald wirkt das Massengemetzel nur noch beliebig und öd.In Japan hat "Battle Royale" im vergangenen Jahr für einen Skandal gesorgt und für eine erregte Debatte darüber, wieviel Gewalt man im Kino zeigen darf. "Ein bisschen geht schon noch", denkt sich der Betrachter am Ende - und dass der eigentliche Skandal dieses Films in der mangelnden Intensität liegt, mit der Fukasaku das Sterben inszeniert: Nur was uns gleichgültig bleibt, stumpft uns ja ab! Warten wir also auf das Hollywood-Remake mit besseren Effekten und ein paar Sympathieträgern im Team. Als Regisseur könnte man sich Sam Raimi vorstellen - und als gemarterte Schülerdarsteller Eminem und Marylin Manson.Battle Royale - tgl. 20.15 Uhr und 22.30 Uhr im Kino Central (OF m.engl. UT)CENTRAL Schüler, ihr sollt leiden: Takeshi Kitano als Lehrer in "Battle Royale".