Von oben sind sie nicht zu sehen. Doch sie sind da: Nordöstlich vom Hauptbahnhof durchziehen Wände, Decken und Tunnelsohlen aus Beton den Untergrund. Es handelt sich um Vorleistungen für den Bau der zweiten Berliner Nord-Süd-S-Bahn, die da seit Jahren im Boden schlummern. Doch bis endlich damit begonnen wird, das Verkehrsprojekt S 21 zu vollenden, wird noch einige Zeit vergehen. Zuletzt hieß es, dass der Weiterbau in diesem Jahr in Angriff genommen wird - nun sprechen der Senat und die Bahn von einem Baubeginn 2010.Vorn die Spree, in der Nähe die Charité: Der Hauptbahnhof liegt im Zentrum Berlins. Doch aus dem Norden und Süden ist die wichtigste Bahnstation der Stadt per S-Bahn nur auf Umwegen erreichbar. "Wir brauchen aber eine vernünftige Anbindung dieses Verkehrsknotens", sagt Georg Müller aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Darum setzt sich Berlin dafür ein, dass die S 21 gebaut wird - zunächst von den Ringbahnhöfen Wedding und Westhafen zum Hauptbahnhof, später auch aus Süden. 60 Millionen Euro hat das Land schon für diverse Vorleistungen beigesteuert, um zu zeigen, wie ernst es ihm ist.Weil aber die Bahn alles daran setzte, den Hauptbahnhof 2006 fertigzustellen, unterbrach sie den Bau der S 21 damals erst einmal. Geplant ist nun, dass die Arbeiten 2010 weitergehen, sagte Matthias Hudaff, der Leiter des Großprojekts Nord-Süd-Achse. Warum nicht schon vorher? Zum einen erforderten Planänderungen ein zusätzliches Genehmigungsverfahren, das erst in diesem Jahr endet, erklärte Georg Müller. Zum anderen hatte der Bund eine erneute Nutzen-Kosten-Untersuchung verlangt. Sie liegt inzwischen vor und attestiert der gesamten neuen Nord-Süd- S-Bahn, dass sie wirtschaftlich ist.Die Arbeiten gehen dort weiter, wo sie aufgehört haben: in der Invalidenstraße vor dem Hauptbahnhof. Nachdem unter der nördlichen Fahrbahn eine Betonplatte eingezogen worden ist, entsteht 2010/11 auch unter der Süd-Fahrbahn eine Tunneldecke. "Wir hoffen, dass der Nordabschnitt der S 21 spätestens 2015 in Betrieb geht", so Müller. Das wäre dann neun Jahre nach der Hauptbahnhofseröffnung, aber immerhin. Kosten: 195 Millionen Euro. Nach ersten Planungen sind dort zwei S-Bahn-Linien geplant: Eine soll über Gesundbrunnen und Ostkreuz zum Großflughafen BBI, die andere nach Jungfernheide führen.Der einzige Zwischenhalt ist an der Perleberger Brücke vorgesehen. Doch der aufwendige, weil mehrstöckige "Turmbahnhof", der 15 Millionen Euro kostet, wird vorerst nicht errichtet. Müller: "Er kommt erst dann, wenn das Gebiet rund um die Heidestraße städtebaulich entwickelt ist." Der südliche Abschnitt der S 21, der von 2018 vom Hauptbahnhof zur jetzigen Nord-Süd-S-Bahn unter der Ebertstraße gebohrt werden soll, bleibt sogar wohl für immer ohne Zwischenstation. Wie berichtet, lehnt es der Bundestag aus Sicherheitsgründen ab, dass vor seiner Tür unter dem Friedrich-Ebert-Platz eine Tunnelstation entsteht. Seine Idee, den S-Bahnhof Bundestag südlich der Scheidemannstraße zu bauen, kann nicht umgesetzt werden. Dort steigt die unterirdische Strecke stark an - kein guter Platz für einen Bahnhof.------------------------------Grafik: Bessere Verbindungen zum Hauptbahnhof sind das Ziel. Im Zentrum Berlins entsteht eine neue S-Bahn. Auf dem 3,8 Kilometer langen ersten Bauabschnitt werden pro Tag 80 000 Fahrgäste erwartet.