Er ist das wandelnde Argument für die drastische Anhebung des Rentenalters: Winfried Bauernfeind, Oberspielleiter der Deutschen Oper, wäre nämlich in jedem Schaukelstuhl eine krasse Fehlbesetzung. Er sieht noch nicht einmal wie 65 aus und hält deshalb jedem Zweifler seinen Personalausweis unter die Nase. Als ob das etwas beweisen würde Wahrscheinlich ja bloß eine richtig gute Fälschung! Bauernfeind verabschiedete sich am Mittwochabend, nach der 100. Vorstellung seiner Inszenierung "Die lustigen Weiber von Windsor" als Oberspielleiter und bekam, im Konfettiregen stehend, vom Publikum und von den Kollegen ein donnerndes "Happy Birthday" gesungen (unter den Sängern: der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, Abgeordnetenhausvizepräsident Walter Momper). Beim anschließenden Empfang verriet Bauernfeind, dass er gar nicht wirklich ans Faulenzen denkt. "Zunächst mal hole ich mein Fahrrad aus dem Keller, dass ich seit zwei Jahren nicht benutzt habe. Und dann will ich hauptsächlich in Japan inszenieren. Und in Berlin. Und in Rheinsberg "Japan ist Bauernfeinds große Liebe, und zu seinem Glück wird diese Liebe auch erwidert. Die Japaner vergöttern ihn. Auch am Abend des Abschieds kreisten ununterbrochen einige mit ihren Kameras wie Satelliten um den Regisseur. Im Getümmel gesichtet: Opernsängerin Karan Armstrong, ihr Ehemann und Generalintendant Götz Friedrich: Ulla Klingbeil (schenkte 65 Überraschungseier), Professor Siegfried Matthus, Schauspieler Hans-Jürgen Schatz.----Noch lange nicht imRentenalter fühlt sich offenbar Udo Lindenberg (53). Der Altmeister des Deutsch-Rocks ("Sonderzug nach Pankow") suchte am Donnerstagmittag frische Inspiration an unvermuteter Stelle, beim wiederauferstandenen Komponisten Ludwig van Beethoven in der Sony Music Box am Potsdamer Platz. Wie gewohnt erschien Lindenberg mit einem Tross ihm ergebener Begleiter, die unentwegt einen Camcorder auf des Künstlers Nase hielten. Das war neben dem deutlichen Bäuchlein unterm scharzen Mantel auch fast das einzige, was von ihm zu sehen war. Udo hatte den braunen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen und die Augen hinter einer riesigen Sonnenbrille versteckt. Im abgedunkelten Sony-Keller kann er also nur wenig gesehen haben, aber es ging ihm ja auch vor allem um die Musik. (se.)Ließ sich in der Sony Music Box am Potsdamer Platz von alten Meistern inspirieren: Udo Lindenberg.NORBERT KESTEN, SABINE GUDATHEin Ständchen für Winfried Bauernfeind: Die Sängerin Brenda Jackson holte den scheidenden Oberspielleiter der Deutschen Oper auf die Bühne.---leute Telefon 23 27 53 96 Telefax 23 27 51 14