Noch in diesem Monat wollen Berliner Archäologen unter den Augen von Bundespräsident Roman Herzog im Garten des Schlosses Bellevue mit Grabungen beginnen. Gesucht werden Siedlungsspuren aus der Bronzezeit vor 3 000 Jahren.Schon lange hatten Bodendenkmalpfleger auf die Gelegenheit gewartet, im Amtssitz des Bundespräsidenten graben zu können. "Daß es im Garten des Schlosses Bellevue eine sehr frühe Besiedlung gegeben hat, wissen wir durch gelegentliche Scherbenfunde auf dem Boden und andere Hinterlassenschaften. Der kürzlich begonnene Neubau des Bundespräsidialamtes gibt uns die Möglichkeit, zwei Stellen im Schloßgarten näher zu untersuchen", sagt Peter Fuchs vom Bereich Archäologische Denkmalpflege des Landesdenkmalamtes. Erwartet werden 3 000 Jahre alte Hausreste, Spuren von Feuerstellen und Gräbern. Daß die Grabungen vorgenommen werden können, verdanken die Berliner Archäologen dem im Landesdenkmalpflegegesetz festgeschriebenen "Verursacherprinzipien". Danach müssen Bauherren unter bestimmten Bedingungen für die Kosten solcher Nachforschungen aufkommen. Bei großen Neubauten am Stadtrand und bei der Neubebauung einst bewohnter Flächen in der Innenstadt kämen erhebliche Kosten zusammen, die das Landesdenkmalamt nicht allein tragen könnte.Bei dem geringen Jahresetat von weniger als 100 000 Mark käme die archäologische Forschung in Berlin sonst zum Erliegen, sagt Fuchs. Das Gesetz spreche ausdrücklich von der wirtschaftlichen Zumutbarkeit solcher Untersuchungen. Schließlich seien Denkmalschutz und Bodendenkmalpflege keine "Wirtschaftsbremse", auch wenn manche Investoren es so sehen. In Härtefällen könnten Antragsteller einen "angemessenen Ausgleich in Geld" verlangen. Manche zögerten, archäologische Funde und Siedlungsspuren pflichtgemäß zu melden, weil sie Nachteile fürchteten.Bei den Grabungen in Herzogs Garten sowie auf anderen Stellen in der Stadtmitte müssen der Bund oder das Land für die Kosten aufkommen. Wo ein privater Investor betroffen ist, halte man sich an ihn, sagt Fuchs. Private Bauherren hätten eine bessere Zahlungsmoral als der Staat.Die "engen finanziellen Möglichkeiten" der Bodendenkmalpflege, ungeachtet der Zahlungen aufgrund des Verursacherprinzips, lassen es kaum zu, ordentliche Aktenstudien zu betreiben. Peter Fuchs bedauert das und nennt das neue Grabungsfeld auf dem Parkplatz zwischen der Breiten Straße und der Spree, wenige Meter vom Schloßplatz entfernt. "Eigentlich müßte man vorher in Archiven Karten und Chroniken studieren, um zu erkennen, wo sich eine Grabung lohnt." Dennoch erwartet Fuchs an der Breiten Straße stadtgeschichtlich interessante Erkenntnisse, die in keiner alten Urkunde zu finden sind. +++