Berlin. Der Bau von Eigenheimen vor allem im Umland Berlins boomt. Auch Klagen über schlechte Bauausführung, nichteingehaltene Bautermine und anderes nehmen zu. Mit Ingo Schupp vom Bauherren-Schutzbund für Berlin und Brandenburg sprach darüber Hans Erdmann.Berliner Zeitung: Bauherren-Schutzbund - was hat man sich darunter vorzustellen?Ingo Schupp: Der Schutzbund ist im Herbst 1993 aus dem Verband privater Bauherren hervorgegangen. Wir sind ein eingetragener Verein unabhängiger Sachverständiger und verstehen uns als Interessenvertreter der vielen privaten Häuslebauer in der Region. Unser Ziel ist es, die privaten Bauherren vom Beginn des Vorhabens bis zum Ende so zu beraten, daß möglichst aus dem Traum vom eigenen Heim kein Alptraum wird.Wie groß ist denn das Interesse an Beratung?Gewaltig. Es gibt Tage, da erhalten wir telefonisch bis zu 50, 60 Anfragen. Unter anderem zu Qualitätsnormen, zu Pfusch am Bau. Wir werden auch zu Fällen herangezogen, die bis vors Gericht gehen.Hat die Zahl unseriöser Baufirmen zugenommen?Mehrere Aspekte spielen bei diesem Interesse an Beratung eine Rolle. Man spürt deutlich bei vielen Häuslebauern eine große Unsicherheit über Bauvorschriften. Zum anderen nimmt die Unseriösität im Handeln von Baufirmen zu. Zum Beispiel?Wir haben in diesem Jahr schon mehrere Dutzend Fälle gehabt, bei denen das Gericht entscheiden mußte. Teilweise ging und geht es dabei um ganze Reihenhaussiedlungen. In Marwitz bei Hermsdorf mußten die Dächer von 78 Häusern neu eingedeckt werden, weil eine holländische Firma absolut nicht qualitätsgerecht gearbeitet hat. In Oranienburg waren vor kurzem mehrere Bauherren nahe dran, ihren Frust über die Arbeit einer deutschen Fertighausfirma in handgreiflicher Form am dortigen Firmenvertreter auszulassen.Worauf sollte der private Bauherr achten, ehe das "Objekt seiner Begierde" Gestalt annimmt?Der Vertrag mit der Baufirma sollte auch die Rechte des Bauherren ausdrücklich festschreiben. Wir erleben immer wieder, daß Firmen versuchen, für sich ein Hausrecht auf der Baustelle vertraglich zu verankern. Das ist unseriös. Denn es bedeutet in der Praxis, daß der Bauherr die Baustelle nur nach ausdrücklicher Erlaubnis der Firma betreten darf. Wichtig ist auch, niemals Kreditbürgschaften an die Baufirmen abzutreten. Bezahlt werden sollte nur nach dem Stand des Baufortschritts und bei mängelfreier Leistung. Die Bürgschaftsabtretung an Baufirmen ist übrigens nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes verboten. Eine Reihe von Bauunternehmen will Vorauszahlungen in den Verträgen verankern.Das sollte auf gar keinen Fall akzeptiert werden. In den Verträgen sollte ein Teilzahlungsplan verankert sein, wonach tatsächlich nur nach dem Stand des Baufortschritts auch bezahlt wird.Woran kann ich als Laie erkennen, ob eine Firma mir ein seriöses Angebot macht oder ob ich über den Tisch gezogen werde?Am ehesten hilft der genaue Blick in den Vertragsentwurf sowie in die Bau- und Leistungsbeschreibungen. Hierzu sollte man möglichst einen Sachverständigen heranziehen. In Berlin kann man diese bei der Industrie- und Handelskammer erfragen. Der Fertigstellungstermin sollte bindend festgelegt und mit einer Konventionalstrafe bei Nichteinhaltung vereinbart werden. Die Bau- und Leistungsbeschreibung ist so wichtig, weil der Bauherr genau vergleichen können muß, was er bestellt hat und was geleistet wurde. Allgemeine Aussagen wie "Das Haus wird gegen Feuchtigkeit abgedichtet" öffnen späteren Streitigkeiten Tür und Tor. +++