BERLIN, 22. Dezember. Der ursprünglich für das Jahr 2003 geplante Rückzug auf den Sylter Alterssitz ist vertagt. Stattdessen wirft sich der 62-jährige Klaus Groth (Groth-Gruppe, zuvor Groth + Graalfs) noch einmal voll ins Geschäft. Im Januar nimmt die neu formierte Groth Holding ihren Geschäftsbetrieb auf. Für diese Holding konnte Groth, dessen früherer Partner Graalfs sich 1994 einigermaßen entnervt aus dem turbulenten Immobiliengeschäft der Hauptstadtregion komplett zurückgezogen hat, eine neue Allianz schmieden, die in Berlin für einigen Gesprächsstoff sorgen dürfte. 51 Prozent der neuen Holding, die mit einem Grundkapital von 40 Millionen Mark ausgestattet ist, hält Groth selbst. Für die Übernahme der übrigen 49 Prozent der Anteile konnte der Manager einen seiner erbittertsten Konkurrenten der letzten Jahre, Manfred Schoeps (56), gewinnen. Allianz mit Ex-IBG-Chef SchoepsBis zum Sommer dieses Jahres war Schoeps bei der Bankgesellschaft Berlin. Dort zeichnete der künftige Groth-Partner ebenfalls für den Bausektor verantwortlich: Als Sprecher der Geschäftsführung der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG), die er zu einem der ganz großen Player auf dem bundesdeutschen Immobilienmarkt entwickelte. Von dem stürmischen Wachstum der Banktochter, die sich unter seinen Fittichen zum unangefochtenen Marktführer im Fondsgeschäft mit Immobilien mauserte und durch den Erwerb anderer Unternehmen wie etwa der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (Frankfurt/Main) oder der Berliner Stadterneuerungsgesellschaft S.T.E.R.N. zum Konzern im Konzern aufstieg, partizipierte auch Schoeps: der Manager war an der IBG persönlich beteiligt. Als der IBG-Chef im Sommer aus gesundheitlichen Gründen den Stress-Job bei der Bankgesellschaft quittierte, war damit auch die Auszahlung seiner IBG-Beteiligung fällig. Knapp 20 Millionen davon investiert Schoeps nun in die Groth-Holding. An Groth schätzt Schoeps vor allem dessen Know-how bei der Projektfindung und -entwicklung. Auch das Fachwissen der 135 Groth-Beschäftigten sei auf diesem Sektor exzellent. Die neue Groth-Holding soll einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auf höherwertige Wohnobjekte legen, die im gesamten Bundesgebiet errichtet werden sollen. Auf gewerbliche Großvorhaben will sich das Unternehmen nur einlassen, wenn zuvor die Vermietung gesichert ist beziehungsweise der jeweilige Bauherr hier voll in die Verantwortung geht. Genau solche Risiken waren es, die nach diversen anderen Baulöwen in den letzten Jahren auch Klaus Groth mit seiner Groth-Gruppe mehr und mehr zu schaffen machten. So viel Geld konnten die Renommieraufträge wie etwa der Bau der neuen CDU-Bundeszentrale, diverser Botschaften oder des neuen Domizils der Wirtschafts-Dachverbände in der Breiten Straße gar nicht einspielen, wie Groth mit Leerständen oder der nicht kostengerechten Vermietung der Neubau-Wohnbestände in Karow-Nord oder im Potsdamer Kirchsteigfeld zusetzte. Zum echten Desaster entwickelte sich zudem Groths ehrgeizigstes Projekt: der Villen-Wohnpark "Arkadien" am Glienicker Horn. Rund um die Villa Kampffmeyer hatte Groth hier elf Luxusvillen für die Superreichen errichtet und sich dabei an amerikanischen Vorbildern orientiert. Soll heißen: Die für die Highsociety gedachten Nobelherbergen befinden sich in einer baulich abgeschirmten Enklave, die rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst betreut wird. Doch anders als in den Staaten, wo ein so überwachter Zugang zu den Villen-Vierteln selbstverständlich ist, scheute die deutsche Prominenz bisher die mit dieser Offerte verbundene soziale Kontrolle, so dass Groth zu hohen Wertberichtigungen gezwungen war. Insgesamt hat er in den letzten Jahren rund 180 Millionen Mark an erwirtschafteten Reserven in die Konsolidierung der Groth-Gruppe gesteckt. All dies räumt der Bauunternehmer unumwunden ein. Zornig wird er nur, wenn sein Unternehmen gezielt mit Gerüchten über eine bevorstehende Pleite überzogen wird, schließlich hafte er persönlich. Groth: "Wir schulden niemandem einen fälligen Pfennig." Vorstandschef bis 2005 Schon vor zwei Jahren aber sei klar gewesen, dass die Groth-Gruppe ohne nachhaltige Umstrukturierung mittelfristig kaum Überlebenschancen haben werde. Kooperationsgespräche hatte Groth seither mit diversen Interessenten geführt und von Arthur Andersen zudem eine aktuelle Unternehmensbewertung vornehmen lassen, in der seiner Unternehmenssubstanz bis zum Jahr 2005 eine potenzielle Wertsteigerung bis zu 30 Prozent attestiert worden sei. Nachdem ein bereits paraphierter Kooperationsvertrag mit der Frankfurter AGIV scheiterte, sei er mit Schoeps handelseinig geworden, wobei die Altbestände der Groth-Gruppe, die er weiterhin ganz allein hält, vom Neugeschäft strikt getrennt würden. Er habe Schoeps zugesagt, die neue Holding mindestens bis zum Jahr 2005 zu führen.Neuer Auftritt der Groth-Gruppe // Die Immobilienkrise bescherte auch dem Berliner Baulöwen Klaus Groth enorme Proble. Eine neue Holding mit Beteiligung des Ex-Chefs der Bankgesellschafts-Immobilientochter IBG, Manfred Schoeps, soll den Weg für Neugeschäfte ebnen.Schoeps plant über die Kooperation mit Groth hinaus den Erwerb weiterer Firmenbeteiligungen. Dafür hat er eine eigene Gesellschaft, die GBI, gegründet. 25 Millionen des Kapitals trägt Schoeps, weitere 25 Millionen die Bankgesellschaft.MATTHIAS LITTWIN Ein Lieblingsprojekt Groths - der Villen-Park "Arkadien" am Glienicker Horn .