Beim jährlichen Neonazi-Aufmarsch auf dem Schlachtfeld in Halbe fiel die militärisch formierte Gruppe am Rande kaum auf: Sie trug Skinhead-Frisuren und unter den Uniformen T-Shirts, die vorn den Bundesadler und hinten gekreuzte Schlagstöcke mit einem zähnefletschenden Hundekopf zeigten. Zum Wechseln hatten die Uniformierten Hemden mit dem Aufdruck "Unsere Heimat, unsere Liebe, unser Stolz" dabei. In den Händen trugen sie Schlagstöcke mit den Namen nordischer Götter, ein Anführer hatte für seinen Stock "Odin" gewählt.Die Männer gehörten nicht zur NPD. Es waren Polizisten aus Berlin, Angehörige der "Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit" (MKÜ) der Bundespolizei in Schöneweide. Die meisten von ihnen tun weiter Dienst, bis auf zwei Beamtenanwärter, die das Bundespolizeipräsidium Ost in Berlin Ende 2005 wegen Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts aus dem Dienst warf. Der 26-jährige Beamtenanwärter Björn S. klagte dagegen vor dem Berliner Verwaltungsgericht, das die Entlassung jedoch gestern im einstweiligen Rechtsschutzverfahren bestätigte.Björn S. wurde vorgeworfen, dass er zwei CDs mit Programmen des rechtsradikalen "Radio Wolfsschanze" aus dem Internet gebrannt und unter Kollegen weitergereicht hatte. Außerdem hatte er nach eigenem Eingeständnis eine Kollegin lange Zeit sexuell belästigt, was er bedauerte. Dem Gericht reichte der erste Punkt als Kündigungsgrund aus. Mindestens so sehr wie für das individuelle Dienstvergehen des Entlassenen interessierten sich die Richter für die Frage, wie sich in Teilen der Berliner Bundespolizei öffentlich zur Schau getragenes rechtsextremes Verhalten mit Billigung von Vorgesetzten ausbreiten konnte. Ein ums andere Mal fragte der Vorsitzende der 7. Kammer, Johann Weber, die Prozessvertreter der Bundespolizei, warum niemand an der nazi-mäßigen Uniformierung eines ganzes Zuges Anstoß genommen habe, und warum es in Berlin keine Sensibilität gegen rechte Umtriebe gebe.Der gestern anwesende MKÜ-Zugführer, der auf seinen Schlagstock "Odin" gemalt hatte, reagierte mit Schulterzucken auf die Frage, welche Gesinnung der Zug denn damit zum Ausdruck bringen wollte. Seine Berliner Dienststelle hat ihn danach offenbar nie gefragt. Diese wurde erst mit Ermittlungen aktiv, nachdem sich aufmerksame Kollegen des Bundespolizeipräsidiums West in Essen nach einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung in Berchtesgaden im März 2004 über rechtsex- tremes Auftreten der MKÜ von Björn S. beschwert hatten. Den Essener Kollegen war unter anderem aufgefallen, dass der Berliner Zug "an die Verhaltensweise der rechtsradikalen Szene erinnert". Die Berliner trügen Skinhead-Frisuren, Tarnhosen und T-Shirts mit Frakturschrift, die man nur von der NPD kenne, außerdem hätten sie in Berchtesgaden rechtsextreme Lieder gesungen.So stieß die Berliner Dienststelle auch auf die CDs von Björn S. von "Radio Wolfsschanze". Sie enthielten unter anderem antisemitische Lieder. In einem wird offen über den Tod des ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Deutschlands frohlockt: . "am Tag als Ignaz Bubis starb . wir pissen auf dein Judengrab". Der Vorsitzende Richter glaubte Björn S.s Darstellung nicht, er habe "Radio Wolfsschanze" für "Deutschrock" gehalten.Offen blieb, was es mit den anderen Mitgliedern der MKÜ auf sich hat, die in Berchtesgaden bei einer Art Andacht einem Deckenbalken des 1937 errichteten Nazibaus huldigten. Auf diesem weist eine Schrift auf das "tausendjährige Reich" hin. Das ergaben die Ermittlungen der Bundespolizei Berlin. Man sei ja tätig geworden, betonte der zuständige Inspektionsleiter Thomas Hoffmann gestern. Er räumte ein, die Einheit gebe "äußerlich tatsächlich ein unansehnliches Bild ab". Äußerungen der weiter in der MKÜ dienenden Polizisten, die auf weiteres rechtes Gesinnungspotenzial schließen ließen, seien ihm aber nicht bekannt. Der Personalrat des Berliner Präsidiums sieht das ausweislich der Akten anders. Er hatte 2005 empfohlen, die offenbar braun durchwirkte MKÜ aufzulösen.------------------------------Volksverhetzung im DienstErmittlungen gegen Polizisten aus Berlin und Brandenburg wegen des Verdachts der Volksverhetzung sind nach Angaben der Polizei relativ selten. Einige Fälle aus den vergangenen Jahren:Mai 2006: Ein 32-jähriger Polizeiobermeister aus der Direktion 5 (zuständig für Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln) musste sich wegen des Verdachts der Volksverhetzung verantworten. Er soll während einer Fortbildungsveranstaltung rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Überzeugungen geäußert haben. Der Obermeister wurde suspendiert.April 2006: Ein Mitarbeiter der Kriminaltechnik im Landeskriminalamt wurde wegen des Verdachts der Volksverhetzung vom Dienst suspendiert. Er soll E-Mails mit einem fiktiven ausländerfeindlichen Fragebogen an Kollegen versandt haben. Der Fragebogen war mit dem amtlichen Berlin-Logo versehen.März 2004: Enge Kontakte zur rechtsextremistischen Szene wurden einem 24-jährigen Bereitschaftspolizisten vorgeworfen. Er soll Gleichgesinnte in Rechtsfragen geschult haben und wurde ebenfalls suspendiert. Entsprechende Hinweise waren im Polizeipräsidium eingegangen. Demnach soll er jeweils 30 bis 70 Rechtsextremisten im Umgang mit der Polizei geschult haben. Die Seminarteilnehmer forderte er auf, Dienstaufsichtsbeschwerden und Verleumdungsanzeigen gegen Polizisten zu erstatten, da diese ihre Befugnisse im Kampf gegen den Rechtsextremismus überschreiten.März 2001: Auf einer Wache des Präsidiums Frankfurt (Oder) wurde ein Polizist sofort vom Dienst suspendiert, weil er gesagt hatte, dass man Israelis vergasen müsse.August 2000: Waffenteile, Munition, Propagandamaterial und Tonträger mit Neonazi-Musik wurden in der Wohnung eines Kommissar-Anwärters sichergestellt. Er war von Kollegen angezeigt worden, weil er Zettel mit antisemitischen Witzen verteilt hatte.------------------------------Foto: Dieses Propagandamaterial stellte die Polizei sicher.