PANKOW. Jahrelang konnte sich der Bezirk nicht entscheiden, welchen Namen er nach der Fusion im Jahr 2001 tragen wird, über den Streit amüsierte sich die ganze Stadt. Nun bahnt sich die nächste Provinz-Posse an. Denn sieben Jahre nach der Zusammenlegung von Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee hat der Großbezirk als einziger Berliner Bezirk immer noch kein eigenes Wappen,Und auch in diesem Jahr wird das wohl so bleiben. Denn bisher spricht alles dagegen, dass der Senat dem Bezirk bis Ende 2008 ein eigenes Wappen verleihen könnte. "Das wird schwierig", sagt Kulturstadtrat Michail Nelken (Linke).Dabei sollte die Wappensuche ganz demokratisch ablaufen, nicht nur Experten, auch Pankower Laien und Geschichtsvereine sollten Vorschläge machen, wie das neue Wappen aussehen soll. Eine Kommission wurde gebildet. In der Ausstellung "Pankower Wappenkunde" wurden 75 Entwürfe gezeigt. Daraus wählte die Wappenkommission auf einer Klausurberatung im April 2008 drei Motive aus.Aus ihnen sollte der Magdeburger Heraldiker Jörg Mantzsch einen endgültigen Entwurf gestalten. Mantzsch hat langjährige Erfahrungen damit. 500 kommunale Wappen hat der 55-Jährige gestaltet, darunter für Städte wie Quedlinburg und Wernigerode. Zurzeit gestaltet Mantzsch für die Landesregierungen Nordrhein-Westfalen und Sachsen neue Wappen. "Alle Entwürfe wurden bisher immer genehmigt", sagt er. Nur in Pankow gab es Probleme. Das Bezirksamt lehnte Mantzschs Entwürfe ab, 20 Mal änderte er sie. Der Heraldiker spricht von einer "subjektiven Einzelentscheidung". Im Bezirksamt heißt es, die Entwürfe hätten nicht den Vorstellungen entsprochen. In der vergangenen Woche nun hat Mantzsch seinen Auftrag zurückgegeben. Er stehe nicht mehr zur Verfügung.Morgen Nachmittag trifft sich die Wappenkommission des Bezirks deshalb zur Krisensitzung. Jörg Mantzsch ist nicht eingeladen. Die Mitglieder hoffen aber trotz des Streits auf eine schnelle Klärung. "Es liegt ein Wappenentwurf vor, jetzt geht es nur noch um grafische Details", sagt die Verordnete Cornelia Schwerin (Grüne), Mitglied der Wappenkommission. Stimmt die Kommission dem Entwurf zu, müssen ihn auch das Bezirksamt und die Pankower Verordneten befürworten. Die nächste Sitzung des Bezirksparlaments ist am 10. Dezember. Anschließend prüft die Senatsinnenverwaltung das Wappen.------------------------------Das Tor steht für EinlassHeraldische Regeln müssen bei jedem kommunalen Wappen eingehalten werden. "Wappenbilder sind Sinnbilder" lautet ein Grundsatz.Ein dreibogiges Tor im Pankower Entwurf des Heraldikers Jörg Mantzsch steht sinnbildlich für die drei früheren Bezirke Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee, aus denen mit der Bezirksreform 2001 ein Großbezirk gebildet wurde. Die Verordneten gaben ihm 2006 offiziell den Namen Pankow. Heraldisch steht ein Tor im Wappen für Einlass und Willkommen.Das Rad im unteren Teil des Wappenentwurfes symbolisiert Handel und Wandel. Vor der Bezirksreform trug der Bezirk Weißensee ein ähnliches Motiv im Wappen. Es wurde als Katharinenrad bezeichnet und stand für ein Marterwerkzeug, auf das Menschen zur Strafe gebunden wurden.Hopfenblüten sind aus heraldischer Sicht ein Zeichen des Aufstrebens und des schnellen Wachstums. Sie erinnern an das Ende des 19. Jahrhunderts, als es in Prenzlauer Berg die meisten Bierbrauereien in Berlin gab.------------------------------Foto: Umstrittener Entwurf - morgen diskutiert die Wappenkommission.