BERLIN, 30. Juli. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, hat Handynutzer vor möglichen gesundheitlichen Risiken durch Mobiltelefone gewarnt. "Eltern sollten ihre Kinder möglichst von dieser Technologie fern halten", empfahl Deutschlands oberster amtlicher Strahlenschützer im Interview der "Berliner Zeitung". Auch Autofahrern, deren Wagen über keine Außenantenne verfügen, riet König "dringend", im Fahrzeug ganz aufs Telefonieren zu verzichten. Als Vorsichtsmaßnahme empfahl der BfS-Präsident, "generell Telefonate mit dem Handy möglichst kurz zu halten".Biologische EffekteZwar gebe es "derzeit keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass mobiles Telefonieren Gesundheitsgefahren in sich birgt", sagte König. Bekannt seien aber thermische und biologische Effekte, die Vorsorge angeraten erscheinen ließen. So seien "veränderte Hirnströme beobachtet" worden. "Dringend beantwortet werden" müsse auch die Frage, ob Handytelefonieren zu Augen-, Lymphdrüsen- oder Blutkrebs oder zu anderen Erkrankungen führen könne, sagte König.Der BfS-Präsident kritisierte die Mobilfunkbranche. Die Industrie hätte bei Standortfestlegungen für neue Sendeanlagen "viel früher" die Kommunen einbinden müssen, bemängelte König. In Zukunft müsse bei der Errichtung von Mobilfunkmasten "mehr Transparenz für die Menschen" herrschen. "Standortentscheidungen dürfen sich künftig nicht mehr alleine an den ökonomischen Interessen der Industrie ausrichten", forderte der BfS-Chef. Zudem sollten bestimmte Plätze für Sendeanlagen tabu sein. "Ich halte es für notwendig, Standorte zu vermeiden, die bei Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern zu erhöhten (Strahlungs-)Feldern führen."Vor allem bei Kindern bestehe "eine besondere Verpflichtung zur Vorsorge", mahnte König. Sie reagierten gesundheitlich empfindlicher als Erwachsene. Die Mobilfunknetzbetreiber sollten deshalb ihre gegenwärtigen Marketingstrategien überprüfen, mit denen sie gerade Kinder als Kunden zu gewinnen versuchten, verlangte König und fügte an: Die Handy-Firmen könnten "dauerhaft mehr Kunden" binden, wenn sie "die Empfehlung aussprächen, dass Kinder unter 16 Jahren möglichst wenig mit Handys telefonieren sollten".Die Ankündigung von Mobiltelefon-Herstellern, künftig auf der Verpackung über die Strahlungswerte von Handys zu informieren, ist nach Ansicht des BfS-Präsidenten unzureichend. "Mir erscheint es sinnvoller, die Kennzeichnung auch auf den Geräten selber anzugeben." Zwar seien die geltenden Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie beim Mobiltelefonieren anfällt, ausreichend, um "nachgewiesene Gefahren zu vermeiden". Dennoch sei es "richtig, sich über Risiken möglichst frühzeitig Gedanken zu machen", riet der BfS-Chef.Wirtschaft Seite 27"Ich möchte verhindern, dass man uns in zehn Jahren vorwirft, wir hätten nur nach ökonomischen Interessen entschieden. " Wolfram König