Wer glaubt, daß Polizisten nur Männer sind, keinen Humor haben und höchstens anderen die Flötentöne beibringen, kann hier sein blaues, pardon: grünes Wunder erleben. Die Police-Singers Berlin räumen mit all diesen Vorurteilen auf. Im Herbst feiern sie ihr zehnjähriges Bestehen.Ganovenjagd, Sirenen, Handschellen? Auf der Bühne stehen Ränge vom Polizeimeister bis zum Hauptkommissar. Aber statt zum Einsatz in Manhattan zu fahren, singen die Beamtinnen Sinatras "New York, New York". Swing bevorzugt "Die Polizei hat viel mehr Gesichter als die Öffentlichkeit kennt, und vor allem viel schönere Stimmen." Unter diesem Motto gründete der damalige Leiter der Big-Band des Polizeiorchesters Berlin, Werner Deinert, 1985 die Police-Singers. Nach dem Vorbild der berühmten Andrew Sisters, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren die amerikanischen Soldaten mit Interpretationen von Glenn Miller und Benny Goodman unterhielten, treten die Berlinerinnen seitdem bei Veranstaltungen der Polizei, aber auch bei Straßenfesten oder in sozialen Einrichtungen auf. "Besonders aufregend waren die Auftritte im ICC und in der Philharmonie sowie bei Rudi Carell im Fernsehen", so Chorleiterin Gerda Bartel.Musikalische Hauptrichtung der Police-Singers ist nach wie vor der Swing. Auf Wunsch des Publikums wurde mit der Zeit aber auch andere Musik in das Programm aufgenommen: Musical-Melodien wie "Annie get your gun" oder "Memories", Hymnen wie "Pomp and Circumstances", aber auch alte Berliner Lieder wie die "Berliner Luft" oder "Es war in Schöneberg". Geschrieben werden alle Arrangements nach wie vor von Werner Deinert, der die Titel auch mit den 20- bis 58jährigen Sängerinnen einstudiert. Zudem begleitet der Hauptkommissar a. D. die Gruppe oft mit der Trompete bei ihren Auftritten.Während in den Gründungsjahren nur Polizistinnen mitsingen durften, machen jetzt auch "Zivile" mit. Grund: Aus den Reihen der Ordnungshüter gab es nicht genug Nachwuchs. Besonders die Alt-Stimme war permanent unterbesetzt. "Ich spreche jede Polizistin auf der Straße an, ob sie singen kann", verrät die stellvertretende Chorleiterin Christine Kupke. Aber vielen Beamtinnen wird die zusätzliche Verpflichtung zu viel. Zivile Frauen ja, aber es gibt eine Einschränkung: "Wir wollen ein Frauenchor bleiben", betont Bartel. Auch sie selbst war nie bei der Polizei. Feier zum 10. Jubiläum Heute zählt der Klub 16 Mitglieder. Darunter sechs Damen, die bei der Gründung 1985 dabei waren. Geprobt wird im Übungsraum des Polizeiorchesters . "Das spart Geld", sagt Bartel. Und Geld ist ein heikles Thema. Für die Auftritte gibt es meist nur eine kleine Gage von 400 Mark. Aber damit werden nicht einmal die laufenden Kosten gedeckt. Denn Werbung, Anlage und Kleidung müssen die Singers selbst bezahlen. Nur für Auftritte im Dienstanzug stellt die Polizei die Kleidung - auch für die "Zivilisten". "Die dürfen wir natürlich nicht draußen tragen", scherzt die Chorleiterin. Begleitet werden die Police-Singers oft von der Combo des Polizeiorchesters Berlin sowie vom Polizeiorchester Potsdam. Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des Chors gibt es am 9. September ein großes Musikfest. Unterstützt werden die Police-Singers an ihrem Geburtstag durch den Musikchor des Grenzschutzpräsidiums Ost sowie bekannte Solisten. Karten zum Preis von 10 Mark gibt es seit 24. Juli über Gerda Bartel, Tel. 6 85 78 26, oder bei der Gewerkschaft der Polizei, Victoria-Luise-Platz 12a in Schöneberg.

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