Der Spielervermittler im Fußball, meist der Mann im Hintergrund, gerät in diesem Jahr immer mehr ins Rampenlicht. Am 1. Januar trat ein neues Reglement des Weltfußball-Verbandes (FIFA) in Kraft, welches Spieleragenten im nationalen wie internationalem Fußball betrifft. Alle Berater sollen eine Lizenz erwerben, um ihrem Gewerbe auch offiziell nachgehen zu dürfen.Seine dunklen Haare sind mit dickem Gel gekämmt, das Gesicht sonnengebräunt, der teure Binder paßt zum teuren Anzug. Joachim Leukel, 47 Jahre alt, fällt auf der Straße auf. Er ist der deutsche Spielervermittler-oder Berater, der in diesen Tagen hektisch gesucht und gefragt ist. Leukel ist der Mann an der Seite von Stürmer-Star Anthony Yeboah. Der Ghanaer, wegen "Arbeitsverweigerung" bei der Frankfurter Eintracht auf dem Abstellgleis, wird von zig Vereinen umworben. Die Münchner Bayern wollen ihn, die Engländer hängen gleich in Scharen am bulligen Torjäger. Noch gestern waren Leukel und Yeboah auf der Fußball-Insel. Doch Arsenal London wie Leeds United sollen die finanziellen Forderungen des nahezu unzertrennlichen Duos Leukel/Yeboah zu hoch gewesen sein. Sie paßten. Poker um Yeboah Neueste Meldungen aus dem Fernschreiber besagen, daß das altehrwürdige Aston Villa gut im Rennen im endlosen Vertragspoker liegt. Vermittler Leukel, in der Branche, die bisher mehr im Dunklen lag, nicht mit dem besten Ruf ausgestattet, scheint wieder mal gute Arbeit geleistet zu haben. Für seinen Schützling Yeboah, aber vor allem auch für seine eigene Brieftasche.Neben Leukel, dessen Name dank Yeboah derzeit in aller Munde ist, gibt es in Deutschland viele Berater, die sich mit der Rundum-Betreuung von Spitzenfußballern ihr sehr gutes Geld verdienen.Anerkannte Marktführer sind der in Mönchengladbach ansässige Norbert Pflippen, der Hamburger Jürgen Milewski, Ex-Fußball-Nationaltorhüter Wolfgang Fahrian und Wolfgang Vöge, der sich vor allem auf dem italienischen Markt auskennt. Stars stehen Schlange Allein bei Norbert Pflippen sind folgende Stars die Klienten, die sich in Gladbach oft die Klinke in die Hand geben: Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Mehmet Scholl, Christian Ziege, Michael Sternkopf, Jörg Albertz oder Oliver Kahn.Neuerdings braucht man in Fußball-Deutschland eine Lizenz, um die Spieler von einem Verein zum anderen vermitteln zu dürfen. Offiziell jedenfalls. Und nun will auch die FIFA eine Lizenz vergeben - allerdings nur für sehr viel Geld. 200 000 Schweizer Franken müssen die Kandidaten als Bankgarantie einbringen.Jörg Neubauer, gelernter Jurist und als seriöser Spielervermittler in Berlin bekannt (er zählt u.a. die Ex-Berliner Matthias Breitkreutz und Stefan Beinlich zu seinen Klienten, die er zu Aston Villa brachte und auch wieder zurück nach Deutschland, zu Rostock) zum Thema Lizenz: "Eigentlich ist die Einführung einer Lizenz in unserer Branche eine gute Sache. Ich stecke mitten in dem langwierigen Verfahren, diese zu bekommen." Zuerst mußte Neubauer zum Landesarbeitsamt. Dieses fordert vom Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt am Main eine Stellungnahme an, eine Art Leumund. Die Lizenz kommt dann vom Amt."Wer in Deutschland lizensiert ist, kann dann die nächsten Schritte gehen, also in Richtung FIFA-Lizenz", sagt Neubauer. "Aber", so Neubauer, "die FIFA verlangt eine Riesensumme und das Geld ist dann außer meiner Verfügungsgewalt. Wenn der Sinn und Zweck darin bestehen soll, die unseriösen Vertreter unseres Standes auszusortieren, geht das nicht automatisch auf."Neubauer fragt: "Bin ich ohne die 200 000 geforderten Schweizer Franken etwa ein schlechter Vermittler?"Neubauer ist sich sicher, daß sich die Vereine auch in Zukunft wenig darum scheren werden, ob der Spielerberater einer mit einem "Persilschein" ist oder einer ohne Lizenz. "Die arbeiten mit denen, die auch die Spieler als Klienten haben."Ein weiterer Vertreter der Branche, der Ungar Laszlo Kleber, auf Berliner Fußballplätzen gut bekannt, meint, daß der Aufwand, eine FIFA-Lizenz zu bekommen viel zu groß ist. "Wofür will die FIFA denn mein Geld verwenden? Ich erkenne darin keinen Sinn."Kleber, in der Vergangenheit auch schon mal hier und da mit einem kurzzeitigen Stadionverbot bedacht, sieht aber in der Erlangung zumindest der deutschen Lizenz auch Vorteile: "Man ist dann offiziell und muß sich nicht wie ein Verbrecher im Dunklen bewegen." Auch er hat die Lizenz beim Arbeitsamt beantragt, hat Schul- und Führungszeugnisse aus seiner Zeit in Ungarn einreichen müssen. Er wartet noch immer auf Antwort, nunmehr seit vier Monaten.Die meisten Männer mit den guten Kontakten und Privatadressen der Fußballer im Notizbuch zwischen Hamburg, Berlin und München stehen nach der Lizenz an. Arbeit rund um die Uhr Doch wer in Europa oder gar weltweit agieren will, hat schwere Hürden vor sich. Zuerst muß die FIFA-Lizenz beim nationalen Fußball-Verband beantragt werden. Dieser - wie der DFB - müssen dann Gespräche mit den Kandidaten führen, ehe sie diese an den Weltverband weiterempfehlen oder eben auch nicht. Ist ersteres der Fall, muß der Vermittler noch die Bankgarantie beibringen.Ist der Job Spielervermittler bei all dem Aufwand da noch ein Traumjob?Der Gladbacher Norbert Pflippen: "Dieser Job ist in erster Linie Arbeit rund um die Uhr."Gutes Geld verdienen kann man damit allerdings auch in Zukunft - mit oder ohne Lizenz. +++