BERLIN, 7. August. Knapp zwanzig Meter sind noch zu überwinden. Da gibt Denis Stake seiner Frau das Zeichen. Ein kurzer Zuruf, mehr ist nicht nötig, und Anja Stake zählt. Von drei bis null. Dann erhöht sie den Takt mit ihrer Trommel, wippt schneller mit Kopf und Oberkörper auf und nieder, um sich dem neuen Rhythmus des Drachenbootes anzupassen. Das Paddelstakkato hinter ihr nimmt zu, der Drache an der Bugspitze tanzt, das Wasser um das Boot beginnt noch heftiger zu brodeln - und das Team Germany schießt noch schneller dem Ziel entgegen. Doch vergebens.Russland war nicht mehr einzuholen, Kanada blieb ebenso unerreichbar, aber immerhin die heranschießenden US-Amerikaner konnte die Mannschaft um Schlagmann Stake auf der Regattastrecke in Grünau auf Distanz halten: Platz drei in der Mixed-Klasse der Drachenboot-Weltmeisterschaft über 200 Meter. "Bronze, damit können wir leben, immerhin sind wir nicht mehr überrollt worden", sagte Stake, als er wieder bei Atem war. Überrollt, das wurden sie tags zuvor als Vierte über 500 Meter, am Sonnabend zumindest reichten die Reserven. "Eigentlich sollte es Silber sein, aber trotzdem fahren wir zufrieden nach Hause." Zumal das Hannover All Sports Team, das die schwarz-rot-goldenen Farben bei der siebten Drachenboot-WM vertrat, auch Bronze über 2 000 Meter eingefahren hatte.Wie viel Kraft es bedarf, um ein Drachenboot mit zwanzig Paddlern, Trommlerin und Steuermann in hohem Tempo durchs Wasser zu treiben, lässt sich an den Muskelbergen der Athleten ersehen. Denis Stake, 1991 Junioren-Weltmeister im Canadier und bis 1997 Kanurennsportler, hat Oberarme wie andere Menschen Oberschenkel. Sein Brustkorb ließe manchen Bodybuilder blass werden. Aber Synchronität, Rhythmus und kluge Renneinteilung sind ebenso entscheidend wie Kraft. Um das zu gewährleisten, trainieren die All Stars fünf Mal in der Woche. Vor fünf Jahren taten sie sich aus vielen Sportarten (deshalb All Sports) zusammen, mit im Boot ist auch der Berliner Judo-Olympiazweite von 1988 Sven Loll. Um die Freundin oder den Ehemann einzubinden, entschieden sich die All Stars für den Mixed-Bereich. 2004 in Schanghai gewannen sie die erste WM-Medaille, ebenso kürzlich bei den World Games.Zwei deutsche MeisterschaftenDoch trotz der Erfolge ist die Zukunft derzeit ungewiss. Während Gitta Weberi, Präsidentin des Deutschen Drachenboot Verbandes (DDV), sich über rund eintausend Zuschauer pro Tag, über Juniorentitel und Medaillen freute, gibt es im Hintergrund jede Menge Streit. Team Mecklenburg, mit Chancen auf einen WM-Sieg bei den Frauen oder Männern angereist, boykottierte wegen Nominierungsdebatten kurzerhand die WM. Und das All Sports Team ringt derzeit darum, wohin es sein hübsches Boot künftig steuern soll. Denn neben dem DDV bietet seit zwei Jahren auch der Kanuverband DKV diesen Sport an. Eine Annäherung ist nicht in Sicht, und so gibt es zwei WM-Turniere und zwei deutsche Meisterschaften: In drei Wochen vom DKV, 14 Tage danach vom DDV. Die All Sports zieht es zum DKV, "aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagt Denis Stake. Ärgerlich, dass die farbenfrohe und lustige Szene von solchen Funktionärsstreitigkeiten arg getrübt wird.------------------------------Foto: Immer auf die Trommel hören: Anja Stake (v.) gibt den Takt, der Rest paddelt.