Es ist Wochenende. Kein Wecker klingelt den gewohnten Alltagsrhythmus ein. Während sich die Eltern erleichtert noch einmal die Dekke über dem Kopf ziehen, schlägt für die Kinder die genehmigte Fernseh-Morgenstunde. Eine Wochenendidylle, die sich so oder ähnlich in vielen deutschen Familien abspielt."Bevor Kinder in die Schule kommen, haben sie bereits etliche Unterrichtsstunden In Werbung, seichter Unterhaltung, Liebe, Gewalt, Horror hinter sich", stellt Dr. Hans Pottrich vom Institut für Medienpädagogik der Universität Potsdam fest. Dabei kümmern sich einer Kinderumfrage zufolge über 80 Prozent der Eltern nicht darum, was und wieviel ihre Sprößlinge sehen. Viele der Befragten würden außerdem selbst lieber "Macher" als Zuschauer sein. Auf diese Bereitschaft setzt die ARD-Sendung "eene, meene, mopel."An der Studiotür leuchtet ein kleines Rotlichtlämpchen. Darüber das Hinweisschild "Ruhe bitte, Sendung". Hinter der schweren Eisentür winden sich geschmeidig und mit Eleganz Ramona und Nadine beim orientalischen Bauchtanz. Ihre goldenen Röcke wippen vor gelber Sonne auf blauem Rundhorizont. "Die blanke Obersahne", schallt es aus der Regie. Applaus im Studio.Sich trauen ist hier angesagt. Unter dem Motto "Mein erster Auftritt" gestalten Kinder ihre Fernsehsendung selbst mit. Das dabei Lampenfieber aufsteigt, erleben sie erst im Ramoenlicht."Am Anfang war es mir peinlich. In meinem Bauch kribbelte es, weil ich immer in die Kamera lächeln mußte", erzählt die achtjährige Nadine. Janny ist erst sieben. Sie singt und spielt auf der Gitarre das Lied von der kleinen Meise. Verhaspelt sich. Dabei hat zu Hause alles so schön geklappt. "Nun ist die kleine Meise weg. Singst du sie noch mal herbei?", fragt behutsam die Regisseurin Renata Kaye."Hier sehen sich die Kinder selbst wieder. Wenn sich eines von ihnen verspricht oder verspielt, ist das nicht schlimm. Kein Kind nimmt weinend Abschied. Es wird angeregt, seine Sendung selbst mitzugestalten", erzahlt die Redakteurin der Sendung, Elke Bitterhof. Neugierig darauf, wie Fernsehen "gemacht" wird, zeigen die kleinen Künstler im Berliner Fernsehstudio "Mediaport", was sie können: Musizieren, Singen, Tanzen, Gedichte vortragen. Manche der Lieder sind sogar selbst gedichtet oder komponiert."eene, meene, mopel" wird von der Provobis-Produktion im Auftrag des MDR/ORB aufgezeichnet. Ende 1991 noch als DFF-Produktion erstmalig gesendet, wurde es ab Januar vom MDR (ORB/B1) ausgestrahlt. Der Produzent kam aus dem Westen, die Macher aus dem Osten.Kinder in der Altersstufe von fünf bis zehn Jahren finden sich in dem bunten Magazin wieder. Eine Mischung aus Poesie und Wirklichkeit, in Trick- und Realfilmen liebevoll und frech und kurzweilig gestaltet. Eine Sendung, die mit leisen Tönen zum Träumen einlädt und spannende Abenteuer erzählt. Die Detektivgeschichten oder dargestellten Porträts könnten die der kleinen Zuschauer selbst sein. In den Liedern oder Fingerspielen erkennen sie ihre eigenen Wünsche und Setinsüchte. Witzig und unterhaltsam für die ganze Familie die tierischen Erlebnisse des Wellensittichs Otti und der Gans Lisa ebenso wie die Streiche des Affen Piefke im Zirkus.Autoren und Komponisten aus dem gesamten Bundesgebiet spinnen die Ideen für das Magazin. Der Redakteurin liegt am Herzen, "daß sich die Kinder mit dem Leben beschäftigen und sich nicht von Affenschildkröten oder Supermännern mit Strahlenpistolen seelisch niedermähen lassen."Kaum war das Magazin geboren, beauftragte die ARD bundesweit eine sechsteilige Pilotserle. Eine beachtliche Resonanz folgte darauf. Doch wiederholt wurde der Programmplatz verschoben. Seit März ist der ARD-Sendetermin auf sonnabends, acht Uhr verlegt worden. Keine familienfreundliche Fernsehzeit. Denn es ist kaum vorstellbar, daß die Eltern auf das verdiente Ausschlafen verzichten werden. Mit höheren Quoten ist allerdings zu rechnen, da die Kinder morgens bereits ab 6 Uhr sendebereit sind.Gerade feierte "eene, meene, mopel" die Produktion der 50. Folge. Die Deutsche Welle übernahm das Programm zur weltweiten Ausstrahlung. Bei dem großen Echo unverständlich, daß letzt nur noch l4tägig gesendet, das Produktionsvolumen um die Hälfte gekürzt wurde. Lediglich bis Dezember dieses Jahres sind die Produktionsaufträge gesichert. Wie ist im Kinderreim zu befürchten? "Eene, meene, muh und raus bist du." Trotz der schwierigen Situation basteln die Filmschöpfer weiter an den Figuren und Geschichten. Denn: Raus bist du noch lange nicht ..."Mutige Kinder, die an einem Auftritt hinter den Fernsehkulissen interessiert sind, wenden sich an den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), Redaktion Kinder/Familie/So ziales, Telefon: 0331/96537 81.Ungewohnte Kamera Träume und Abenteuer Ungünstige Sendezeit