Ihr Auftritt war kurz aber heftig. Die ein paar Tage vor Weihnachten vom Trainings- und Spielbetrieb suspendierten einstigen Hertha-Helden Walter Junghans (35), Theo Gries (32) und Uli Bayerschmidt (26) waren mit gepackter Tasche zum offiziellen Trainingsauftakt nach dem Feiertagsurlaub auf dem Maifeld erschienen, wollten die Teilnahme erzwingen. Doch Trainer Uwe Reinders sagte kategorisch: "Nein!"Auf Anraten ihres Anwaltes Horst Kletke hatten die drei vor dreieinhalb Wochen überraschend Geschaßten mit dem Ex-Hertha-Libero Dirk Greiser einen Zeugen mitgebracht. Greiser, inzwischen Sportinvalide, stand vor zwei Jahren auch bei der Hertha vor einer ähnlichen Situation, hatte sich aber damals die Trainingsteilnahme erklagt.Gestern morgen waren die drei nacheinander zu kurzen Einzelgesprächen bei Hertha-Manager Wolfgang Levin in der Vereins-Villa erschienen -- mit der Hoffnung, daß ihnen der Klub Lösungsvorschläge für die nahe Zukunft vorlegen wurde. Weit gefehlt.,, Die Gespräche dauerten etwa zwanzig Minuten, konkret rausgekommen ist gar nichts", ließ der ehemalige Libero Uli Bayerschmidt seinem Frust freien Lauf. Und Torjäger Theo Gries maulte, daß "der Verein über die Feiertage nichts zuwege gebracht hat."Herthas Manager Wolfgang Levin sieht die Auseinandersetzung mit dem Trio natürlich von seiner, anderen Warte. "Mir sind als Angestellten des Vereins die Hände gebunden, wenn das Präsidium nichts unternimmt, kann ich auch nicht viel ausfichten. Wir werden die Fälle am Donnerstag im Präsidium behandeln und eine Lösung finden." Nur -- am Donnerstag fehlt weiter der BOjährige Präsident Heinz Roloff, der noch auf Sylt Urlaubsfreuden fröntDoch den Manager drücken noch ganz andere Sorgen. Jürgen Sundermann, der sich in Berlin aufhält, schwebt als möglicher neuer Sportdirektor schon fast greifbar über ihm und das Präsidium ist nach wie vor nicht nur in Fragen Sundermann-Verpflichtung zertritten und handlungsunfähig. "Wir geben dem DFB doch derzeit richtig Munition. Im Februar müssen die Unterlagen für die Lizenz fertigsein und bei llertha weiß man noch nicht genau, wer in der neuen Saison eigentlich hier spielt, wer der Trainer sein wird und woher die notwendigen Gelder kommen werden", so Levin.Da ist der Fall der drei in Ungnade gefallenen Kicker nur eine Marginale, die aber wieder einmal ein bezeichnendes Licht auf den Verein wirft.Das Trio wird jedenfalls erst mal jeden Tag erneut heim Training erscheinen und immer aufs Neue an den Ball wollen.Richtig trainiert wurde gestern auch noch. Exakt zwanzig Kicker, darunter der lange verletzt gewesene Stürmer Mike Lünsmann, taten das, was sich Junghans & Co. für sichwünschten, sie tanzten nach der Pf eife von Trainer Reinders. Da waren die "Geächteten" aber schon längst vom Maifeld verschwunden. "Meine Kehle ist so trocken", sagte Torjäger Gries und schulterte verbissen seine sauberen Trainingsklamotten.Die Einsamkeit der Ausgeschlossenen: UIi Bayermchmldt, Theo Gries und Walter Junghans (v. l. n. r).