BERLIN. Heiner Bertram wird zu Hause bleiben. "Alles, was ich mache, wäre falsch", sagt er. Nein, dieses Spiel sei emotional nicht durchzustehen für einen wie ihn, in dessen Brust zwei Herzen schlagen. "Wenn ich mich über einen Sieg für Magdeburg freue, bin ich für alle Unioner ein Verräter", schildert er seine Zwickmühle, "wenn Union gewinnt und ich freue mich, dann versteht das kein Magdeburger."Bertram, bis vor drei Jahren Präsident des 1. FC Union Berlin, sitzt mittlerweile im Aufsichtsrat des 1. FC Magdeburg. Am Mittwoch, 19.30 Uhr, treffen die beiden Traditionsklubs an der Alten Försterei aufeinander. Für Magdeburg, wie die Köpenicker Aufsteiger, soll die dritte Liga nur Zwischenhalt sein, sagt Bertram: "Wir wollen mittelfristig in die zweite Bundesliga", binnen der nächsten drei Jahre. In einem modernen Stadion, "das eigentlich genau so in Köpenick erbaut werden sollte", sagt Bertram.Einweihung mit BeckenbauerDie Neue Försterei steht in Sachsen-Anhalt. Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und andere Größen werden im Dezember zur Einweihungsfeier kommen, im Januar gibt Bayern München ein Gastspiel. Wahre Festwochen in der Arena, die für 31 Millionen Euro errichtet wurde, komplett überdacht ist und 22 500 Sitz- und 4500 Stehplätze bietet. Das Projekt ist durchfinanziert, der Verein hält Anteile an der Betreibergesellschaft. Im Grunde ist es die Arena, die Bertram einst in Berlin vorgestellt hat - kurz bevor er putschartig vom Aufsichtsrat abgelöst wurde. Kürzlich hat Präsident Dirk Zingler emotionslos erklärt, er habe Bertrams Stadionmodell verkauft. An wen, das sagte er nicht.Heiner Bertram quittiert es mit einem Lächeln, dass der 1. FC Union heute das marode Stadion samt Gelände für einen Euro vom Land Berlin kaufen will. "Wir waren damals schon wesentlich weiter", sagt er, "die Planung war fertig. Und wir hätten das weiter betrieben." Mit dem Konzern Hochtief als Bauherr, der schon zahlreiche Stadien errichtet hat - auch die Magdeburger Arena, die an der Stelle des alten Ernst-Grube-Stadions steht und für die noch ein Name gesucht wird. "Wir verhandeln mit großen Unternehmen", sagt Bertram: "Das Interesse ist groß."Vor 66 Jahren wurde er nur ein paar Straßen entfernt vom heutigen Stadion geboren. Dennoch hatte Bertram, der bereits in den 50er Jahren nach Berlin ging und in die Vorstandsetagen großer Kaufhausketten aufstieg, bis zum vorigen Jahr keine Beziehung zum FCM. Aber Bertram, der Mann, der den Fußball liebt, den jedoch in Berlin keiner mehr wollte, auch nicht als Präsident beim Berliner Verband, strebte zurück in die Ballbranche. Er, der in Charlottenburg wohnt und das Hotel Sachsen-Anhalt in Barleben betreibt, wurde einer der Mitbegründer des Wirtschaftsrates der Blau-Weißen. Das Gremium kurbelte die Vermarktung an und gab dem lange Jahre von Skandalen und Finanzmiseren geplagten Klub, der heute schuldenfrei ist, eine professionelle Organisationsstruktur. Bertram sagt stolz: "Wir haben mit der Hälfte des Etats von Union ebenso viel Erfolg." 2,4 Millionen Euro Budget, bei Union sind es 4,2 Millionen. Sportlich liegen beide Mannschaften nahezu gleichauf.Bertram war es auch, der Bernd Hofmann in Magdeburg als Geschäftsführer empfahl. Jenen Hofmann, der einst Unions Verwaltung lenkte und im Sog von Bertrams Abgang auch die Brocken hinwarf. "Hofmann macht einen guten Job, die Arena ist sein Projekt", sagt Bertram, der zwischendurch auch noch Unions Pressesprecher Lars Töffling einspannte - für eine Aktion, bei der 1 300 Fans Stadionsteine gekauft haben. Heiner Bertram hat sich schon oft auf die Tribüne des neuen Schmuckkästchens gesetzt. "Das ist schon ein fantastisches Gefühl", schwärmt er.Sorge um den 1. FC UnionEr sagt: "Dieses Stadion wird dem Verein einen großen Schub geben". Viele Fans hoffen auf Erfolge wie einst. Der FCM war 1974 der einzige ostdeutsche Europapokalsieger, dreimal DDR-Meister, gewann sieben Mal den FDGB-Pokal. "Ein solches Stadion ist Grundvoraussetzung für eine goldene Zukunft", sagt Bertram und denkt dabei auch an Union: "Da nutzt der ganze Kult nichts. Wenn der Verein nicht bald baut, wird er völlig den Anschluss verlieren und auf Dauer nicht einmal die dritte Liga finanzieren können." Das klingt nicht verbittert, eher sorgenvoll. Der 66-Jährige sagt, er vermisse "das Feuer und die Leidenschaft der Union-Fans". Seinen Traum hat er sich anderswo erfüllt.------------------------------Foto: Heiner Bertram war sechs Jahre Präsident des 1. FC Union Berlin. Unter seiner Ägide stieg der Klub in die zweite Bundesliga auf und erreichte das DFB-Pokalfinale. 2003 wurde er abberufen.------------------------------Foto: Komplett überdacht: Das neue Magdeburger Stadion bietet 22 500 Sitz- und 4 500 Stehplätze. Es kostet 31 Millionen Euro.