Visuelle Aufnahmen" sind nicht gestattet, das steht schon auf der Homepage der "Sportsfreunde der Sperrtechnik", die sich heute in Berlin zu den "Deutschen Meisterschaften 1999" treffen. Denn was die "Sperrtechniker" beim Jahrestreffen des ChaosComputerClubs (CCC) tun werden, könnte leicht als Vorbereitung zu einem Verbrechen missverstanden werden das "Öffnen von Türen ohne Schlüssel" nennen es die Veranstalter, kurz: "Lockpicking". Man könnte auch "Einbruch" dazu sagen.Doch wenn die erwarteten 60 "Lockpicker" im Haus am Köllnischen Park in Mitte mit Haken, Stiften und Nadeln auf Schließzylin-der losgehen, tun sie dies nicht, um demnächst Banktresore und Juwelierläden öffnen zu können. Nein, sie beschäftigen sich aus "Neugier" und "um die Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit zu trainieren" mit Sicherheitsschlössern, sagt Steffen Wernéry, der Vorsitzende des Vereins der "Sportsfreunde". Wenn sie in Disziplinen wie "Handöffnung" und "Blitzöffnung" ihr Können messen, erwarten sie auch internationale Gäste. Doch was machen die Türöffner auf einem Hackertreffen? Für Wernéry, selbst ein Mitglied des ChaosComputerClubs der ersten Stunde, ist das Knacken von Schlössern eine Art "Hands-on-Hacking", das mit dem Öffnen von Computersystemen viel gemein hat: "Beim Hacken wie beim Lockpicking geht es darum, sich nicht vom ersten Eindruck beeindrucken zu lassen. Man muss wissen wollen, was dahintersteckt", sagt er. "Dazu gehört neben Wissbegier auch sehr viel Geduld."Wernéry entdeckte seinen ersten "Pick-Set", eine Reihe von Schlossöffnern, in einem Geschäft für Spionagezubehör bei einem Hacker-Treffen in New York. Zurück in Deutschland sammelte er seine ersten "Schlüsselerlebnisse" mit Schließzylindern. In seiner Wohnung liegen nun überall Schlösser herum, die er beim Fernsehen oder beim Baden in der Wanne nebenher mit einem "Sportgerät" bearbeitet. "Auch Flugreisen und Bahnfahrten eignen sich hervorragend zum Üben", sagt Wernery, der seine Werkzeuge wie eine Geldbörse immer mit sich herumträgt: "Die schönste Belohnung sind immer wieder die ungläubig staunenden Gesichter, wenn das teure Schloss in nur wenigen Minuten, manchmal auch nur Sekunden, geöffnet ist." Viele der Schließanlagen, die in Deutschland als "Sicherheitsschlösser" verkauft werden, hält er inzwischen für "teuren Schrott".Dass ein Lockpicker seine Fähigkeiten für Einbrüche missbrauchen könnte, glaubt er nicht. Für Wernery ist das Lockpicking "ausschließlich sportlich motiviert". In der Vereinssatzung heißt es ausdrücklich: "Du darfst nur Schlösser öffnen, die dir gehören. Für alle anderen Schlösser braucht du die Erlaubnis des Besitzers. Beim Öffnen sind die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Ortes zu beachten." Bei Verstoß droht der Ausschluss aus dem Verein. Zwar könnte man nicht ausschließen, dass die Lockpicking-Fähigkeiten auch für kriminelle Zwecke eingesetzt werden, aber das ist für Wernery "mit anderen Fähigkeiten genauso auch mit denen, die man im Schützenverein oder bei Kampfsportarten erwirbt". Bei der heute beginnenden Deutschen Meisterschaft muss im "Wettbewerb Blitzöffnung" jedes Schloss binnen einer Minute geöffnet werden; wer es nicht schafft, scheidet zusammen mit seinem Schloss aus. Auch Amateure können kommen und zugucken. Oder sich ein Schloss schnappen, "in dem sie selbst etwas herumpuhlen können", kündigt Steffen Wernery an. Auch ihm wird in diesem Jahr nichts anderes übrig bleiben: Als einer der Organisatoren kann er nicht am Wettbewerb teilnehmen.CCC Treffen der deutschen Netzszene // Die Sportsfreunde der Sperrtechnik e. V. wurden im Februar 1997 gegründet und widmen sich dem "Lockpicking" (Schlösserknacken).Ab heute sind sie wieder beim Jahrestreffen des ChaosComputerClubs (CCC) dabei, bei dem sie ihre Fähigkeiten in Wettkämpfen messen.Das CCC-Treffen (27. 12. bis 29. 12. ) ist eine der wichtigsten Veranstaltungen der deutschen Netzszene. Früher fand es in Hamburg statt, seit dem vergangenen Jahr kommen die deutschen Hacker zu der Traditionsveranstaltung zwischen Weihnachten und Silvester nach Berlin.www. lockpicking. org www. ccc. org