Rund 500 radikale Islamisten haben am Sonnabend am so genannten Al-Kuds-Tag (Jerusalemtag) gegen die Politik Israels demonstriert. Unter den überwiegend aus dem arabischen Raum stammenden Teilnehmern, die vom Adenauerplatz zum Savignyplatz zogen, war auch der in der rechten Szene bekannte Neonazi Frank-Eckart Czolbe-Senft mit eigenem Lautsprecherwagen. Mit Schlagstöcken ausgestattete Polizisten verhinderten wiederholt eine Konfrontation mit Gegendemonstranten.Der Jerusalemtag geht auf den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini zurück, der 1979 Muslime zum Schluss des Fastenmonats Ramadan aufgerufen hatte, gegen Israel zu demonstrieren. Nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad letzte Woche mit der Vernichtung Israels gedroht hatte, genehmigte Innensenator Ehrhardt Körting (SPD) den Zug nur unter Auflagen. Verboten waren Losungen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellten.Die Islamisten selbst gaben sich betont friedlich und verurteilten in den in deutscher Sprache gehaltenen Reden Gewalt aller Art. Ordner verhinderten mit "Ruhe, Ruhe"-Rufen jegliche antiisraelische Äußerungen. Auf Arabisch wurde zum Lächeln aufgefordert. Mancher Islamist ließ sich von solchen Bitten nicht abhalten, in Richtung der Gegendemonstranten zu spucken oder "Nieder mit Euch" und andere hasserfüllte Parolen zu brüllen. "Menschenrechte für alle Menschen, nicht für Kindesmörder", sagte ein Araber unter Anspielung auf Israel am Rande des Aufzugs.Israel-Flaggen beschlagnahmtAls "Aufruf zum Völkermord" bezeichnete DGB-Bundeschef Michael Sommer während der Gegenkundgebung die Äußerungen des iranischen Präsidenten. Der kurdischstämmige Abgeordnete Giyasettin Sayan (Linkspartei.PDS) hob die uneingeschränkte Solidarität der Kurden mit Israel hervor. Gekommen waren zudem die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Reinhard Bütiköfer sowie Petra Pau (Linkspartei). Für Irritationen sorgte, dass Gegner des antisemitischen Aufzuges sich hinter Absperrgittern aufstellen mussten - 30 Meter von den Islamisten entfernt. Einigen gelang es dennoch, zur Kantstraße vorzudringen. Die Polizei beschlagnahmte bei diesen Demonstranten Israel-Flaggen. Ein Polizeisprecher begründete die Beschlagnahmung damit, dass Provokationen vermieden werden sollten und die genehmigte Kundgebung nicht gestört werden dürfe. Es wurden sieben Platzverweise ausgesprochen.Zwei Stunden später zeigte sich die Polizei vor der iranischen Botschaft in der Dahlemer Pacelliallee freundlicher: Dort lieh ein Polizist den israelfreundlichen Demon- stranten ein Polizei-Megafon. Der Chef der Jüdischen Gemeinde, Albert Meyer, nannte die Äußerungen des Iran einen einmaligen Vorgang in der UN. "Die Bundesregierung muss ein deutliches Wort dazu sagen", verlangte Meyer. Stattdessen werde geschwiegen oder es würde nur Halbherziges geäußert.------------------------------Foto: Muslimische Frauen zeigen Opfer angeblicher israelischer Anschläge.