Hände klappern auf der Tastatur, Monitore flackern - ein Dokumentarfilm über Programmierer verspricht keine aufregenden Bilder. Während bei ARD-exklusiv oder in den Kabel-1-Reportagen oft exotische Berufe wie Kanalarbeiter, Kammerjäger oder Rettungsflieger vorgestellt werden, erzählt die Reihe "Arbeitswelten" im Kleinen Fernsehspiel des ZDF ganz alltägliche Geschichten über den Wandel der Arbeit. Der Auftaktfilm "Der Glanz von Berlin", bereits im Kino zu sehen, porträtierte drei Putzfrauen und zeigte den schwierigen Umgang der Deutschen mit Dienstleistungen. Die Routine einer Klinik sezierte der Film "Aufnahme". Um den Abschied von traditionellen Berufskarrieren kreist am kommenden Montag der Film "Nachtschicht", der Packer einer Zeitungsdruckerei bei ihren letzten Arbeitstagen begleitet. Monster am BildschirmAm interessantesten aber ist der Blick nach Amerika. Corinna Belz und Regina Schilling haben für ihren Film "Leben nach Microsoft" mit sieben ehemaligen Programmierern des Microsoft-Gründers Bill Gates gesprochen. Heute sind die Computer-Spezialisten Ende Dreißig und versuchen mehr oder weniger erfolglos eine Karriere jenseits des Software-Konzerns. Rein materiell geht es ihnen gut, ihre Aktienoptionen waren bei ihrem Ausstieg einiges wert. Doch Walt, der neun Jahre bei Microsoft gearbeitet hat, bietet ein Bild des Jammers: Der dickliche Typ hockt einsam in seiner viel zu großen Villa, braucht weder die fünf Schlafzimmer noch die Küche. Wer bei Microsoft 70 Stunden die Woche arbeitet, hat keine Zeit für Familie. Walt programmierte so verbissen, bis sein Kopf "zu Gemüse" wurde und er keine Zeile mehr schreiben konnte. Bill beschreibt die Arbeit unter enormen Zeitdruck, unter dem immer mehr Fehler in Kauf genommen werden, drastisch als "Todesmärsche". "Sie holen immer nur Studenten, die beweisen wollen, was für Monster sie sind", resümiert auch Marlin, der es zwölf Jahre bei Microsoft aushielt - so lange wie kein anderer der sieben Aussteiger. Corinna Belz und Regina Schilling kommentieren die Aussagen nicht, provozieren aber Fragen: Ist dieses gnadenlose Arbeitsmodell nur ein Extremfall oder das Modell der Zukunft? Dabei bleibt "Leben nach Microsoft" kein trockener Interviewfilm. Die Autorinnen haben ihren Film als eine Fahrt zwischen Seattle und dem Microsoft-Campus in Redmond gestaltet, blenden zwischendurch ein Navigationssystem auf den Bildschirm, natürlich von Microsoft. Aufnahmen des Microsoft-Chefs Steve Ballmer, der von der Bühne aus seine Mitarbeiter anbrüllt, stehen für den Erfolgsdruck bei Microsoft. Die Gedenkplatten auf dem Campus für die Windows-Betriebssysteme wirken nicht stolz - sie sehen aus wie Grabplatten. Leben nach Microsoft; 0.00 Uhr, ZDF