Lacht das Gesicht, freut sich der Gast: Im kommenden Jahr sollen Symbole mit lachenden oder traurigen Gesichtern an Gaststätten und Restaurants anzeigen, wie gut es um die Hygiene im jeweiligen Lokal bestellt ist - und zwar bundesweit. Doch kaum haben die Verbraucherschutzminister der Bundesländer sich auf ein einheitliches Vorgehen in Sachen Smileys geeinigt, kommt Kritik: Die Projektgruppe, die nun Vorschläge für die praktische Umsetzung erarbeitet, lehnt die Smileys ab. Diese Symbole sollen, wie seit Jahren in Dänemark üblich, in fünf verschiedenen Abstufungen darüber Auskunft geben, wie das Ergebnis der Hygienekontrollen lautete: von "okay" (lachendes Gesicht) bis "grobe Verstöße" (trauriges Gesicht) "In der Projektgruppe ist man der Ansicht, dass nicht-emotionale Symbole verwendet werden sollten", sagt Bernhard Remde, Abteilungsleiter im Verbraucherschutzministerium in Brandenburg. Als Beispiel sei Großbritannien genannt worden, wo unter dem Motto "Scores on the doors" (Bewertungen an den Türen) Sternchen über die Qualität der Lokale Auskunft geben - sachlich und emotionslos.Bei der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz in Berlin hat man die Bedenken der Projektgruppe zur Kenntnis genommen. "Sie überzeugen uns aber nicht", sagt Sprecherin Regina Kneiding. Es gebe keinen Anlass, die bisherige Planung aufzugeben. Demnach sollen die Smileys in Berlin ab Juli 2011 gelten, darauf haben sich die zuständigen Bezirksstadträte mit Verbraucherschutzsenatorin Katrin Lompscher (Linke) verständigt.Vorbehalte gegen die Smileys kommen aber auch aus der Wirtschaft. "Etliches davon beruht aber offenbar auf Missverständnissen", sagt Bernhard Remde aus dem Brandenburger Ministerium. So seien viele der irrigen Ansicht, dass mit den Smileys auch die Pankower Ekelliste eingeführt wird. Seit März 2009 veröffentlicht der Bezirk Pankow die Ergebnisse seiner Hygienekontrollen im Internet, samt Fotos, die wiederum für den Namen "Ekelliste" gesorgt haben. Diese Veröffentlichung sei mit dem "dänischen Modell" nicht geplant, so Remde.Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow und Initiator der Ekelliste, ist empört über die neuerliche Diskussion. Er sei überzeugt, dass die Lebensmittelindustrie der Initiator dieser Debatte sei. Dieser größte Lobbyverband Deutschlands halte sich für ein Opfer der Verbraucherschützer, schimpft Kirchner. Der Verband bezeichne es als Skandal, dass die Ergebnisse der Kontrollen öffentlich gemacht werden. "Wir leben in einer Informationsgesellschaft", sagt Kirchner, der Verbraucher habe das Recht auf Informationen. Und beim Essen gehe es nun mal um Emotionen, da seien die Smileys als Kennzeichen gerade richtig. "Sie sind klar, deutlich und einfach - es wäre das Falscheste, darauf zu verzichten." Und was in Dänemark funktioniert, müsse doch wohl auch in Deutschland möglich sein.So sieht man das auch im Senat. "Wir setzen uns weiterhin für den Smiley ein", sagt Regina Kneiding. Ein Rechtsgutachten über die Zulässigkeit des Smileys, das der Senat in Auftrag gegeben hat und dessen Ergebnisse nun vorliegen, stütze diese Position. "Eine verpflichtende Reglung über den Smiley", heißt es dort, sei "verfassungsrechtlich zulässig". Nach Angaben von Kneiding nehme der Senat das Gutachten zum Anlass, eine Bundesratsinitiative zur einheitlichen Smiley-Regelung in ganz Deutschland vorzubereiten.