Mit der Love Parade und den Partys drumherum wird Berlin an diesem Wochenende wieder der Nabel der Techno-Welt. An den übrigen 362 Tagen ringt die Haupstadt mit Frankfurt/Main um den Titel "Hochburg der Raver-Szene". In beiden Städten entstand praktisch parallel der ultraharte teutonische Disko-Wumms - doch Berlin hat die Nase vorn. Mit "Low Spirit" hat eines der angesagtesten Plattenlabels der Szene seinen Sitz an der Spree. 1985 vom DJ Westbam gegründet, kann es inzwischen im Veröffentlichungskatalog Trendsetter und Chartsstürmer wie Marusha oder Mark 'Oh auflisten. Der "Tresor", "Planet", "WMF", "Bunker" und "E-Werk" setzten Maßstäbe, was Techno-Klubs angeht. Raven in (Industrie-)Ruinen; eine Berliner Erfindung. Auch die Idee zu den "Mayday"-Partys, die im letzten Jahr sogar die Dortmunder Westfalenhalle mit Ravern füllten, entstand hier. Die Techno-Fans schufen sich eine eigene Infrastruktur. Schon früh ging eine Telefon-Hotline mit den aktuellsten Techno-Partys der Hauptstadt ans Netz. 1989 erschien die erste Ausgabe des Techno-Magazins "Frontpage". Herausgeber war damals noch der Technoklub Frankfurt. Inzwischen befinden sich die Redaktionsräume der bundesweit erfolgreichen Zeitschrift (100 000 Auflage) am Tauentzien. Speziell der Berliner Szene widmen sich die Magazine "Very Important", "flyer" und "1000 clubzine". Der erste deutsche Techno-"Almanach" mit dem Namen "Localizer 1.0" entstand in Charlottenburg und wurde im Februar '95 stolz der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch im Internet sind die Berliner präsent: Auf den aktuellen "techno.net"-Seiten kann man sich zum Beispiel erschöpfend über die Love Parade informieren.Techno ist weit mehr als Musik. Mit "Chromapark" findet jährlich die bedeutendste Austellung von Techno-Kunst- Bildern, Projektionen und Installationen - im "E-Werk" in der Wilhelmstraße statt. Für das passende Design von Flyern und Anzeigen sorgen Grafikbüros wie "Moniteurs". Berliner Designer entwerfen für die Rave-Nation die passenden Outfits. "NEXT G+U+R+U NOW" aus Mitte hat selbst bei Techno-Freaks in London einen ausgezeichneten Ruf. Die Kollektion von "Groopie Couture" wird im eigenen Laden in der Goltzstraße verkauft. Fast 20 Boutiquen von "Ambulance" bis "Zentrale" bieten Clubwear für den Raver an. Und die "Frontpage"-Illustrierte "Sense" zeigt die neuesten Trends jenseits von Paris und Mailand. Wer will denn bei solcher Vielfalt und Kreativität noch von "Posemuckel" reden?