Sollte es irgendwann einmal in diesem Jahrhundert keine Berliner Landesregierung mehr mit Beteiligung der Linken geben, dann muss sich zumindest ein Senatsmitglied keine Sorgen machen: Die berufliche Zukunft der heutigen Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Katrin Lompscher (Linke), scheint in jedem Fall gesichert. Denn auf der gestrigen Pressekonferenz des Senats, der sich ansonsten zurzeit großenteils in der Sommerpause befindet, zeigte die 48-Jährige ihre bisher kaum bekannten Fähigkeiten als Wetterfee vom Dienst. Sie referierte locker und flüssig über Höchsttemperaturen, Niederschlagsmengen, Badegewässerqualität, Fischsterben und den Einsatz von Schwengelpumpen, gab Verhaltenstipps für die Hitzeperiode ("ausreichend trinken, körperliche Anstrengung vermeiden") und gewährte Ausblicke auf die künftige Städtebaupolitik im Lichte des Klimawandels.Europäische StädtegemeinschaftIn diesem Zusammenhang gab es gestern sogar eine Entscheidung des Senats zu verkünden, was Lompscher gleich miterledigte: Die rot-rote Landesregierung hat sich nämlich nunmehr entschlossen, dem klimaschutzpolitischen "EU-Konvent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister" beizutreten. Diese Städtegemeinschaft mit inzwischen schon mehr als 1 600 Mitgliedskommunen gibt es seit Anfang 2008, sie dient zur besseren Umsetzung der von der Europäischen Kommission beschlossenen Klimaziele, insbesondere was die Reduzierung des CO2-Ausstoßes angeht. Die Konventsmitglieder verpflichten sich dabei, bis 2020 sogar noch deutlich mehr als das EU-Minimalziel von 20 Prozent weniger Kohlendioxid gegenüber dem Stand von 1990 zu erreichen. Praktisch für Berlin: Die Hauptstadt hat dieses Ziel bereits jetzt erreicht (nicht zuletzt durch den Verlust von zu Mauerzeiten hoch subventionierten Industrieansiedlungen) und vor zwei Jahren beschlossen, doppelt so viel CO2 zu reduzieren, also 40 Prozent im Vergleich zu 1990. Berlin bekenne sich mit dem Beitritt zum EU-Konvent zum Klimaschutz, sagte Lompscher.Das in ihrem Hause vorbereitete und in der rot-roten Koalition teils strittige Klimaschutzgesetz sei im Übrigen derzeit in der Senatsabstimmung und könne voraussichtlich nach der Sommerpause beschlossen werden, erklärte die Senatorin. Danach wird es noch im Parlament beraten und verändert. Es enthält Vorgaben zum Einbau von Wärmedämmung und effizienter Heiztechnik gerade auch in Privathäusern und zum künftigen Einsatz erneuerbarer Energien dafür. Die Kosten können in Mietshäusern teils auf die Bewohner umgelegt werden. Strittig sind derzeit etwa die Kriterien für eine Sanierungspflicht von Hauseigentümern und die Frage, wie viel Zeit den Eigentümern bleibt, den geforderten Klimaschutz-Stand zu erreichen.