Berlin - Anderthalb Monate vor der Abgeordnetenhauswahl zeichnet sich eine scharfe Auseinandersetzung zwischen Grünen und CDU ab. Laut einer neuen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat, gibt es derzeit keine Mehrheit für eine Zweierkoalition. CDU und Grüne müssten ihr Ergebnis allerdings nur leicht verbessern, um mit der SPD ein Regierungsbündnis bilden zu können. Laut der aktuellen Erhebung bliebe die SPD stärkste Kraft mit 26 Prozent, in der vorigen Umfrage im Juni waren es 27. Die Grünen können ihren Vorsprung zur CDU leicht ausbauen und kommen auf 20 Prozent (Juni: 19), die Union bleibt mit 18 Prozent auf dem dritten Platz.

Die Linke gewinnt laut Forsa an Unterstützung und käme auf 16 Prozent der Stimmen (14). Auch AfD und FDP wären laut Forsa im Abgeordnetenhaus vertreten. Die Rechtspopulisten kämen unverändert auf 8 Prozent, den Liberalen würde mit 5 Prozent (6) der Wiedereinzug knapp gelingen.

Aktuell sind nur Dreierbündnisse möglich

Laut der Forsa-Umfrage bräuchte eine Koalition mindestens 47 Prozent der Stimmen für die Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Sowohl Rot-Schwarz, als auch Rot-Grün bleiben also realistische Optionen, wenn sich das Meinungsbild nur leicht ändert.

Nach den vorliegenden Zahlen wäre allerdings nur ein Dreierbündnis möglich. Die realistischste Option ist eine rot-grün-rote Koalition. Sie würde 62 Prozent der Wähler repräsentieren, hätte also eine äußerst bequeme Mehrheit. Es gibt jedoch Vorbehalte gegen eine solche Konstellation, da es drei Partnern naturgemäß schwerer fällt als zweien, sich in Streitfragen zu einigen. SPD-Spitzenkandidat Michael Müller bekräftigte am Sonntag in der RBB-Abendschau: „Es muss unter diesen schwierigen Voraussetzungen nach wie vor unser Anspruch sein, eine Zweierkonstellation und eine stabile Regierung hinzubekommen.“

Berliner sehen Integration und Wohnungsnot als wichtigste Aufgaben

Die Forsa-Zahlen weisen darauf hin, dass sich die Berliner bislang von den Terroranschlägen der jüngsten Zeit nicht in ihren Wahlabsichten beeinflussen lassen. Zwar sehen 22 Prozent der Befragten die innere Sicherheit als Berlins größtes Problem. Dies ist aber gegenüber der Befragung im Juni nur ein Anstieg um drei Prozentpunkte, Integration und Wohnungsnot sehen die meisten Befragten als die größeren Herausforderungen. Auch haben weder die AfD, die von Anschlägen zu profitieren hofft, noch die CDU haben gegenüber dem Vormonat an Zustimmung gewonnen.

Der CDU-Spitzenkandidat und Innensenator Frank Henkel scheint auch nicht von seinem harten Kurs in der Auseinandersetzung um das Hausprojekt Rigaer Straße 94 zu profitieren. Henkels Zustimmungswerte sind schlecht. Im Beliebtheitsranking der Landespolitiker steht erauf dem drittletzten Platz. Auch unter CDU-Unterstützern würden ihn nur 42 Prozent Michael Müller vorziehen. Zudem bleibt die Berliner CDU deutlich unter ihrem Potenzial: Bei einer Bundestagswahl würden laut Forsa 24 Prozent der Berliner die Union wählen.

Dennoch hätte ein neues rot-schwarzes Bündnis eine größere Unterstützung als Rot-Grün oder Rot-Grün-Rot – wenn auch auf niedrigem Niveau. 21 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Fortsetzung der Koalition aus. Rot-Grün kommt auf 20 Prozent Unterstützung, das Dreierbündnis auf 18.

Forsa führte die Umfrage im Zeitraum zwischen dem 18. und dem 28. Juli durch und befragte 1002 Berliner.