Berlin-Wahl: Das Wahllokal mit den meisten AfD-Stimmen liegt in Pankow

Laut zwitschern die Vögel in der Stadtrandsiedlung Blankenfelde, dem letzten Dorf vor der Berliner Stadtgrenze. Hier hin kommt man, wenn man die Schönhauser Allee einfach immer geradeaus durchfährt. Der Weg ins Grüne führt vorbei an Laternen, an denen im Stadtbereich noch grüne, rote, blaue und schwarze Wahlkampfplakate angebracht sind.

Nach 30 Minuten Fahrt aber sieht man nur noch blau und rot, unten die Plakate der Linken, oben etwas größer, die Plakate der AfD. Nach 40 Minuten ist man im Vorstadtidyll angekommen: Einfamilienhäuser mit gemähtem Garten, Blumen wachsen dort nicht einfach, sie stehen da wie Soldaten, hier und da sieht man Gartenzwerge, kleine Brunnen. Hier liegt das Berliner Wahllokal mit den meisten AfD-Stimmen – das dorfeigene Kulturhaus im Birnbaumring 81. Am Sonntag sind hier insgesamt 414 Menschen hineingegangen, 37,1 Prozent davon haben für die AfD gestimmt, die Wahlbeteiligung lag bei 65,3 Prozent. 154 Menschen haben demnach also die AfD gewählt, die SPD hingegen nur 60, die CDU 66, die Linken 73, die Grünen 18.

Politik, dazu sag ich nix

Am Montagvormittag ist hier kaum jemand anzutreffen. Spricht man die wenigen Menschen, die man in den Gärten ihrer Häuser Unkraut zupfen sehen kann, auf das Wahlergebnis an, sagen die meisten: Politik, dazu sag ich nix. Auch an der Bushaltestelle wollen die meisten nicht über die Wahl reden: Absolut keine Zeit habe sie dafür, sagt eine junge Frau freundlich und wartet dann 15 Minuten auf den nächsten Bus.

Eine ältere Dame sagt: „Alle Politiker sollte man in einen Sack stecken und verbrennen.“ Wenn man dann daraufhin erwidert, dass das eine sehr extreme Sichtweise sei, lacht die Frau. Soll die AfD mit in den Sack? „Ich sag doch: Alle. Die lügen alle.“

Anwohner Reinhold Formum analysiert das gute Abschneiden der Rechtspopulisten: „Die Menschen wählen die AfD, weil sie unzufrieden sind“, sagt der 73-Jährige. Die Politik kümmere sich nicht um die Menschen, man fühle sich hier abgehängt und vergessen, deswegen wählten viele die etablierten Parteien nicht mehr, sagt der Alt-Blankenfelder.

Hat er die AfD gewählt? Nein.

Neben ihm hängt an einer Laterne ein Wahlplakat der AfD, darauf steht „Mehr Mitsprache der Bürger durch Volksentscheide“. Hat er die AfD gewählt? Nein. Er habe die Linken gewählt. Die AfD sei ihm noch zu unklar, er wisse nicht genau, wohin sie steuere. Die Flüchtlingspolitik der Regierung aber mache ihm Angst, den Flüchtlingen würde hier ein Paradies versprochen, die würden aber nicht arbeiten, sondern nur nehmen wollen. Gibt es denn hier Flüchtlinge? Nein. Hier gäbe es auch keine anderen Migranten. Viele würden die hier nicht so gerne haben.