Berlin - Politiker reden zu hören, ist dank bis ins Detail ausgearbeiteter und einstudierter Aussagen meistens nicht gerade spannend. Auf Abgeordnetenwatch.de ist das anders – manchmal zumindest.

Auf der Plattform können alle Berliner den Kandidaten zur Abgeordnetenhauswahl Fragen stellen, egal zu welchem Thema. Wir haben für Sie die zehn kuriosesten, schlagfertigsten und lustigsten Antworten rausgesucht:

Patrick Gläser (Einzelkandidat) über Jugendliche:

„Die Chemie des Körpers dreht durch und die Jugendlichen kommen in eine Phase der Rebellion. Das ist absolut normal und gut so. Aber passiert dies ohne eine Stimme der Vernunft, siegt die Stimme des Ungleichgewichtes. Oder auf Berlinerisch: 'Die Gören bauen Scheiße!' Das sollen Sie auch, aber da wo sie sich damit selber nicht gefährden.“

Sebastian Czaja (FDP) über öffentliche Veranstaltungen in Berlin:

„Ganz sicher will niemand eine 'Ballermannisierung' Berlins, aber um die Attraktivität der Stadt zu erhalten, muss es sicherlich auch öffentliche Veranstaltungen geben.“

Georg Tschammer-Osten (Unabhängiger Kandidat) hat eine ganz eigene Vorstellung von Bildung:

„Unsere Kultursprache Deutsch bleibt den originär deutschen Kindern vorbehalten, die damit absichtlich besser gestellt werden sollen als die Nicht-deutschen Kinder." (...)

„Wenn es unter den Nicht-Deutschen Kindern besonders Begabte gibt, sollten diese die Möglichkeit haben, parallel zur vierten Klasse Grundschule mit Hilfe bestimmter Förderkurse sich die deutsche Sprache anzueignen, um in den weiterführenden Schulen auch als Nicht-Deutsche ausnahmsweise mit den muttersprachlichen deutschen Schülern (z.B. am Gymnasium) konkurrieren zu können.“

René Pönitz (Piraten)  auf die Frage, ob es seine Partei noch gibt:

„Ja! Wir sagten vor einigen Jahren häufiger, dass wir uns gerne wieder überflüssig machen, weil unsere Themen und Ziele durch andere Parteien aufgegriffen werden. Aber das ist noch nicht geschehen.“

Alexander Freier-Winterwerb (SPD) aus Treptow über das Festival Lollapalooza und was es für seinen Wahlkampf bedeutet:

„Wissen Sie, ich kämpfe seit so vielen Jahren für das Vorankommen unseres Bezirkes und bin verhaltensauffällig im besten Sinne des Wortes. Ich habe so viel geschafft und bewegt für Familien, für Integration und für Vielfalt." (...)

„Das alles ist völlig wertlos geworden, weil Lollapalooza meine Arbeit mit einem Federstreich wegwischt. Ich bin darüber traurig, entsetzt und wütend! Sie können sich ja vorstellen, dass ich meinen Bürgermeister (ebenfalls SPD, Anm. der Redaktion) ins Gebet genommen habe und ihn gefragt habe, warum er mir das antut.“

Alexander Freier-Winterwerb (SPD) über die Frage, wie er mit dem „Problem zugereister Homosexueller" in der Kiefholzstraße umgehen will:

„Natürlich bekommen Sie eine Antwort von mir auf Ihre Fragen, die ich auf eine Art und Weise tendenziös und ekelhaft finde, dass es mir schwer fällt einigermaßen sachlich auf sie zu antworten." (...)

„Ich gehe davon aus, dass Sie damit liebäugeln die AfD zu wählen. Die wundervolle Sängerin Jennifer Rostock hat das Programm der AfD in einem Lied zusammengefasst. Vielleicht nehmen Sie sich die 2:17 Min Zeit und hören sich das mal an und recherchieren dann mal im Programm der AfD, was die eigentlich wollen."

„Sollten Sie nur ein bisschen homophob und ausländerfeindlich sein, empfehle ich an dieser Stelle ihre Stimme nicht zu verschenken und die CDU zu wählen - die repräsentiert Sie sicherlich angemessen und ist fleißiger als die AfD!"

Damiano Valgolio (Linke) über eine mögliche Wiederaufstellung des Lenin-Denkmals auf dem Platz der Vereinten Nationen:

„Ich denke, wir tun dem Genossen Lenin unrecht, wenn wir ihn zur Touristenattraktion degradieren. Im Übrigen lehrt uns der Leninismus, dass der Ansatzpunkt der politischen Arbeit die realen sozialen Auseinandersetzungen und Widersprüche sind. Insofern gibt es in Berlin genug zu tun, die Frage von Denkmälern scheint mir nicht so zentral zu sein. Mit bolschewistischen Grüßen, Damiano Valgolio“

Georg Kössler (Grüne) befragt zur Koalitionseignung von SPD und Linke am liebsten den Wahl-O-Mat:

„Ich habe dazu ein Bauchgefühl (Ja, das könnte klappen) und einen politischen Blick. Letzteren habe ich gerade noch einmal mit dem Wahl-O-Mat abgeglichen.“

Georg Kössler (Grüne) auf die Frage, warum die Grünen nicht schärfer gegen den „Klimakiller“ Flugverkehr vorgehen:

„Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal geflogen sind. Wenn ja, dann verstehe ich die Schärfe in ihrer Frage nicht so ganz. Fliegen ist ein Klimakiller, klar! Aber dennoch können und wollen wir es nicht einfach verbieten. Wo kommen wir denn da hin? Demokratie ist ja kein Freizeitvergnügen sondern die Grundlage unserer Gesellschaft!“

Dennis Manuel Löhmann (Die Partei) über seine Pläne für den Wahlabend:

„Ich werde den Abend wohl mit Sterni vom Späti verbringen. Das beste Bier der Welt und dann kommt es noch aus dem Osten. Ein Paradebeispiel für gelungene Integration!“