Berlin-Wahl: Wie eine Muslima ihre Wahlentscheidung trifft

CDU kommt nicht in Frage

Sie arbeitet ehrenamtlich in der Al-Hassanein-Moschee in Wedding, kümmert sich um Jugendliche. Kürzlich hat sie einen Workshop besucht, in dem es um die Früherkennung von Radikalisierung von Jugendlichen ging. Sie kann verstehen, dass über den Islam viel diskutiert wird. „Aber warum redet man nicht darüber, warum der Salafismus so attraktiv für junge Leute ist?“ Sie wünscht sich, dass die Politik strenger mit salafistischen Organisationen umgehen würde.

Seit einiger Zeit kümmert sie sich auch um Flüchtlinge in einer Unterkunft in der Osloer Straße, begleitet sie zur Behörde, geht aber auch mal ins Museum. Die Flüchtlingspolitik hat ihr politisches Interesse geweckt. Sie merkte, dass es einen Unterschied macht, ob eine Angela Merkel regiert oder ein Horst Seehofer. Doch die CDU in Berlin kommt für sie nicht in Frage, wegen des Burka-Verbots.

Bei den Wahlrunden der Bürgerplattform, an der bisher SPD und CDU teilnahmen, hat sie am meisten Michael Müller überzeugt. „Er hat klare Antworten gegeben, nicht rumgeeiert“, sagt sie. Sie hat ihre Stimme per Briefwahl abgegeben.

Angst vor der AfD

Am meisten sorgt sich Humera Malik, dass die AfD stark werden könnte. Es gehört zu den Absurditäten dieses Wahlkampfes, dass die islamfeindliche AfD auch Anhänger unter Berlins Muslimen hat. Das hat auch der CDU-Politiker Thomas de Vachroi in seinem Wahlkampf in Neukölln beobachtet. „Viele Deutsch-Türken sagen mir, sie haben früher für die SPD gestimmt, diesmal werden sie AfD wählen“, sagt er. Ihn erschrecke, wie aggressiv und rassistisch viele Einwanderer seien. Wie die AfD-Anhänger würden offenbar auch viele Deutsch-Türken am liebsten die Flüchtlinge wieder rauswerfen, de Vachroi beobachtet einen regelrechten Hass auf die Neuankömmlinge. „Für uns wurde nie etwas getan, aber die Syrer bekommen alles sofort“, solche Sätze höre er oft.

Am Freitagabend fand zum ersten Mal eine Wahlrunde statt, bei der sich die Integrationsexperten den Fragen von Muslimen stellten. Vorab hatte es Wirbel gegeben. Ein Vertreter der AfD sagte erst zu, dann auf Druck des Landesverbandes ab. Die CDU wollte den in der Öffentlichkeit unbekannten Funktionär Hikmet Gülmez schicken, nachdem die Ex-Ausländerbeauftragte, Barbara John, aus persönlichen Gründen absagte. Rund 100 Zuhörer kamen schließlich in die Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee, die bisher als Vorzeige-Gebetsstätte galt. Sie hat Verbindungen zur „Islamischen Gemeinschaft Deutschland“ und wird wegen ihrer Nähe zur Muslimbruderschaft im Verfassungsschutzbericht erwähnt. Deswegen halten einige die Moschee neuerdings für einen Hort des Extremismus.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes stand, die Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee werde von der „Islamischen Gemeinschaft Deutschland“ betrieben. Das ist falsch und wurde entsprechend korrigiert.