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„Mehr als ein Verkehrsmittel“: Neues S-Bahn-Museum in Lichtenberg soll 2019 öffnen

S-Bahn

Ein Stück Berliner Alltag zum Spielen: Die S-Bahn bestimmt auch die Freizeit der Menschen in dieser Stadt. Ein Holzmodell steht vor einem Wagenkasten in Griebnitzsee. 

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S-Bahn-Museum

Kabel hängen von der Decke, in den Ecken türmt sich Schutt. Das frühere Schnellrestaurant im Bahnhof Lichtenberg ist eine Baustelle. Doch Udo Dittfurth denkt nicht nur an die Arbeit, die auf ihn und seine Mitstreiter zukommt, er sieht vor allem die Möglichkeiten, die diese Räume bieten: Sie sollen Standort eines neuen Berliner Museums werden.

„Hier haben wir die einmalige Chance, das S-Bahn-Museum neu aufzubauen – mit einem neuen, verbesserten Konzept und längeren Öffnungszeiten als bisher“, sagt er. Damit bekäme der Osten der Stadt einen weiteren touristischen Anziehungspunkt. Auf dem Weg dorthin wurde nun eine wichtige Etappe genommen, eine weitere steht demnächst an.

Ein Museum für das Verkehrsmittel, das immer wieder durch Störungen auffällt? Wer wird dort hingehen? Dittfurth kann da auf seine Erfahrungen verweisen, die er am bisherigen Museumsstandort in Potsdam-Griebnitzsee gesammelt hat. In einem Klinkergebäude beim S-Bahnhof hatte 1997 der reguläre Publikumsbetrieb begonnen, und die Resonanz war groß. An jedem Öffnungstag kam eine dreistellige Besucherschar.

Kalter Krieg ist Schwerpunkt

„Wir haben gezeigt, dass die S-Bahn mehr ist als ein Verkehrsmittel“, so der ehrenamtliche Museumschef, der in einem Planungsbüro in Charlottenburg als Stadtplaner arbeitet. Wie in einem Brennglas werde bei ihr die Zeit- und Industriegeschichte des 20. Jahrhunderts erkennbar. Die Züge, die Signale, die elektrische Technik: Das waren großartige Innovationen, die von den Fahrgästen, die Dampfloks und Abteilwagen gewöhnt waren, dankbar begrüßt wurden.

„Die S-Bahn war eine neue Mobilität für die wachsende Metropole“, so Dittfurth. Aber sie war auch ein „politisches Vehikel“, das Berlins Stadthälften noch miteinander verband, als andere Verkehrsnetze schon getrennt waren. Erst der Mauerbau 1961 holte die Trennung nach. Im Westen wurde zum Boykott des Verkehrsmittels, das damals von der DDR-Reichsbahn betrieben wurde, aufgerufen. Die S-Bahn im Kalten Krieg ist ein Schwerpunkt der Schau.

Spiel

Brettspiel zum Verkehr in Berlin: Das Netz blieb ganz – bis zum Mauerbau 1961. 

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S-Bahn-Museum

Das S-Bahn-Museum ist als „wildes Museum“ groß geworden, als Amateurmuseum. Viele Berliner haben zu dieser Schatzkammer der Stadt- und Verkehrsgeschichte persönliche Gegenstände beigesteuert. „Viele Exponate erzählen Geschichten“, sagt Dittfurth. Da ist der Kinderwagen aus den 1950er-Jahren, der auf einem Dachboden entdeckt wurde: In solchen Vehikeln wurde Schmuggelware per S-Bahn von Ost nach West gebracht. Oder das Brettspiel aus der Nachkriegszeit: Fürs ganze Netz wurde weiterhin geworben.

Bis Ende Mai muss die Sammlung die rund 500 Quadratmeter in Griebnitzsee verlassen. Für das S-Bahn-Umspannwerk gibt es neue Anforderungen, die einen Weiterbetrieb des darüber gelegenen Museums nicht zuließen. Wie berichtet, wurde mit der Bahn ein neuer Standort gefunden: das einstige McDonald’s-Restaurant im Lichtenberger Empfangsgebäude, 450 Quadratmeter im ersten Stock.

„Information und Emotion“

Nun steht das Konzept für den neuen Standort. Geplant ist eine „Mischung aus Information und Emotion“ mit bis zu 15 Themenstationen, neuen Medien, eventuell einer App. Das Fahrgastzentrum des Fahrgastverbands IGEB, das sich im Untergeschoss befindet, könnte Museumsshop werden. Die Schau soll an vier oder fünf Tagen in der Woche geöffnet sein, nicht nur zweimal pro Monat. „Wir wollen einen großen Besucherkreis ansprechen, Berliner, aber auch Touristen aus dem In- und Ausland“, sagt der 56-Jährige.

Der Bahn schwebe ein „Showroom der S-Bahn-Geschichte“ vor, und so sehe es auch das Team. Das Museum würde das Bahnhofsgebäude, das kaum noch genutzt wird, enorm aufwerten. Inzwischen wurde eine Absichtserklärung verfasst, die 15 Jahre Mietfreiheit vorsieht. Der „Letter of Intent“ trägt auch die Unterschriften des Konzernbevollmächtigten der Bahn, Alexander Kaczmarek, und von S-Bahn-Chef Peter Buchner.

„Wenn alles klappt, kann die Arbeit bald beginnen.“

Jetzt soll im ersten Vierteljahr 2018 bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, zuständig für die Förderung der touristischen Infrastruktur, Geld beantragt werden. Voraussetzung ist, dass sich das Museumsteam und die Bahn über die nötige zehnprozentige Teilfinanzierung einigen. Über Beträge sprechen die Beteiligten nicht.

Die Partner stünden dem Projekt wohlwollend gegenüber, sagt Dittfurth. „Wenn alles klappt, kann die Arbeit bald beginnen.“ 2019 könnte alles fertig sein. Vielleicht kann die Baustelle am 6. November 2018, wenn 90 Jahre elektrischer Betrieb nach Lichtenberg gefeiert werden, bereits geöffnet werden. Damit die Berliner sehen, wie es wächst – ihr neues Museum.