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„Protected Bike Lane“: Der grüne Radweg an der Holzmarktstraße

Der grüne Farradstreifen in der Holzmarktstraße ist bald fertig.

Der grüne Farradstreifen in der Holzmarktstraße ist bald fertig.

Foto:

Volkmar Otto

Der erste Radfahrstreifen der neuen Generation steht kurz vor der Fertigstellung: An der Holzmarktstraße in Mitte wurden 40 Meter Fahrbahn in einem tiefen Grünton eingefärbt. Der 3,5 Meter breite geschützte Radweg, offiziell auch als „Protected Bike Lane“ bezeichnet, soll Radfahrer durch seine auffällige Farbe und derzeit noch provisorische Poller vor Kollisionen mit Autos bewahren. Auch für die gegenüber liegende Fahrbahn ist ein Radstreifen neuen Typs geplant.

Mit der Umsetzung des Pilotprojekts macht der Berliner Senat ein Versprechen an Fahrrad-Aktivisten und Verkehrsinitiativen wahr. Trotzdem stößt die Maßnahme in diesen Kreisen auf Kritik – weil sie so lange auf sich warten ließ. Die ersten 40 Meter geschützter Radweg in grüner Farbe seien erst nach 24 Monaten fertig geworden, rügte die Initiative Clevere Städte via Twitter. Bei diesem Tempo könne Berlin binnen 160.000 Jahren vollständig mit grünen Fahrradstreifen ausgestattet werden.

Weitere geschützte Radstreifen

Die Initiative Changing Cities bemängelt auch, dass sich unmittelbar an dem neuen Radstreifen in der Holzmarktstraße eine Bushaltestelle befindet. Dies könne zu Konflikten zwischen Fahrradfahrern und Busfahrern führen. Durch die neuen Poller müssen Busse sehr präzise und langsam an die Haltestelle heranfahren, wenn sie eine Kollision vermeiden wollen. Eine ernste Gefahr für Verkehrsteilnehmer stellen die Poller allerdings nicht dar: Sie sind aus flexiblen Materialien und können bei einem Ausweichmanöver überfahren werden, ohne dass an dem Fahrzeug ein Schaden entsteht.

Trotz aller Kritik in den Einzelheiten sei die Fertigstellung des ersten geschützten Radstreifens ein Grund zum Feiern, sagt Heinrich Strößenreuther von der Initiative Clevere Städte und Initiator des Volksentscheids Fahrrads. Die Umsetzung des Vorhabens belege, dass das Land Berlin grundsätzlich in der Lage sei, Fahrradwege in der „verhandelten und gesetzlich vorgeschriebenen Qualität hinzubekommen“.

In den kommenden Monaten und Jahren sollen nun weitere geschützte Radstreifen in Berlin entstehen. Ursprünglich war geplant, dass auf der Südseite der Hasenheide bereits im Frühjahr 2018 ein grüner Fahrradstreifen fertiggestellt wird. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg erhielt bei der Ausschreibung des Auftrags kein passendes Angebot, so dass die Leistung neu ausgeschrieben werden musste. Dieses Verfahren läuft nach Angaben einer Sprecherin bis zum 1. Oktober.

Straßen in vielen Bezirken werden ausgestattet

Ähnlich ist es beim Projekt Frankfurter Allee, das noch aus der Zeit stammt, als die Verkehrsverwaltung der SPD unterstand. Die Magistrale soll stadtauswärts so umgestaltet werden, dass eine separate Radspur entsteht. „Aktuell fehlt noch die verkehrliche Anordnung. Wir hoffen, sie bald zu bekommen, damit noch dieses Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden kann“, heißt es beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Auch bereits bestehende Fahrradstreifen sollen in Zukunft grüne Farbe erhalten. Zunächst werden in den Jahren 2018 und 2019 bis zu 20 Kilometer auf diese Weise besser kenntlich gemacht. Zu den ersten Projekten, die geplant und ausgeführt werden sollen, zählen Warschauer, Proskauer und Katzbachstraße in Friedrichshain-Kreuzberg. Ebenfalls auf der Vorhabenliste stehen Greifswalder, Wisbyer-, Schloß-, Rhein-, Invaliden- und Lahnstraße.

Gefährliche Kreuzung

Entschärft wurde in diesen Tagen die Gefahrenstelle an der Kreuzung Kolonnen-/Hauptstraße in Schöneberg. Dort hatte es am 23. Januar den ersten tödlichen Fahrradunfall dieses Jahres gegeben. Eine 52-jährige Radfahrerin befuhr aus der Kolonnenstraße kommend den Kaiser-Wilhelm-Platz. Ein Lastwagenfahrer übersah die Frau und erfasste sie mit seinem Fahrzeug. Die Radfahrerin wurde bei den Zusammenstoß so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort starb. Um einen weiteren Zwischenfall dieser Art zu verhindern, wurde der Radstreifen nun mit provisorischen, rot-weißen Pollern von der Fahrbahn abgetrennt. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad lobt dies ausdrücklich als vorbildlich. „Bitte weiter so! Wir brauchen temporäre Maßnahmen, bis der Endzustand erreicht wird“, schreibt die Initiative in einem Twitter-Post.

Insgesamt zehn Radfahrer sind in diesem Jahr bereits in Berlin tödlich verunglückt – mehr als im gesamten Jahr 2017. In acht Fällen waren die Radfahrer offenbar nicht schuld. Der jüngste Todesfall ereignete sich, wie berichtet, am 17. September an der Mollstraße Ecke Otto-Braun-Straße in Mitte. Ein Radfahrer wurde von einem abbiegenden Lastwagen überrollt.

Das Ziel des Senats ist es nun, die Radfahrer nicht nur besser zu schützen, sondern auch die Qualität ergriffener Schutzmaßnahmen zu prüfen. In einigen Monaten wird feststehen, ob der grüne Fahrstreifen in der Holzmarktstraße etwas bewirkt hat.