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Erneuerbare Energien: Einem Drittel der Windanlagen droht das Aus

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Stürmische Zeiten für Brandenburger Windkraftanlagen. Einem Drittel von ihnen droht das Aus. Rein theoretisch. 

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picture-alliance/ dpa

Potsdam -

Brandenburg ist Windkraftland – immerhin steht es bundesweit nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf Platz 3, wenn es um die produzierte Stromleistung solcher Anlagen geht. Das ist enorm, da es ein Binnenland ohne Windräder auf hoher See ist.

Dieser Erfolg für die „grünen Energien“ ist aber auch hoch umstritten, da es allein im Land Brandenburg hunderte Bürgerinitiativen gibt, die gegen Windräder in ihrer Nähe kämpfen.

Die könnten sich nun freuen, weil etwa einem Drittel der Anlagen in Brandenburg potenziell das Aus droht. Zuerst hat darüber die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet.

1300 von 3729 Windräder

„Von 3729 Windkraftanlagen im Land Brandenburg sind etwa 1300 betroffen“, sagte der Jan Hinrich Glahr, Chef des Landesverbandes Windenergie Berlin-Brandenburg, am Montag der Berliner Zeitung.

Der Hintergrund ist, dass Windräder einst eine neue Technologie waren und damit recht teuer. Deshalb wurde die Errichtung staatlich gefördert über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Das war ein enormer Vorteil für die Investoren, weil sie dadurch sehr leicht Bankkredite für neue Windräder bekamen, da der Staat sich verpflichtete, für den Strom dieser Anlagen gleich 20 Jahre lang jenem Festpreis zu zahlen, der zur Zeit der Errichtung laut EEG galt.

Die Betreiber mussten sich in dieser Zeit auch nicht um Abnehmer kümmern, da der Staat den Strom abnahm und in die Netze einspeiste.

9,1 statt 3,5 Cent

Nur so hatten die neue Technologie überhaupt die Möglichkeit, sich am Markt gegen die etablierten Kohlekraftwerke oder Atomstrom zu behaupten. Für die Anlagen der Anfangszeit gab es 9,10 Cent je Kilowattstunde Strom, heute sind an den Strombörsen gerade mal 3 bis 3,5 Cent zu erzielen.

Die Kritiker sagen,dass damit der Staat bis 2025 geschätzt 520 Milliarden Euro Subventionen zahlt. Die Befürworter sagen, dass die auch Kohle und Atomwirtschaft über Jahrzehnte mit hunderten Milliarden gefördert wurden.

Einfach abschalten

Jene 1300 in Brandenburg betroffenen Anlagen fallen nun aus der EEG-Förderung heraus, da diese für die ersten Anlagen nur bis 2020 galt. „Damit müssen sich die Betreiber überlegen, was sie ab 2021 machen“, sagte Glahr.

Es gibt verschiedene Alternativen: So könnten die Betreiber die Anlage einfach abschalten und abbauen. Das finden die Anhänger dieser Technologie nicht so gut, da ja extra Stromleitungen zu den Windrädern gebaut wurden, die damit verloren gehen.

Neuen Abnehmer suchen

Also könnten sie die Windräder einfach weiterbetreiben. „Da der Strom nicht mehr über das EEG vom Staat abgenommen wird, müssten die Betreiber sich nun einen Abnehmer am freien Mark suchen“, sagte Glahr. Als Käufer kämen Stromhändler in Fragen oder benachbarte Kommune oder Unternehmen in der Nähe – der Vorteil wäre, dass der Strom auch gleich dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird.

Die dritte Möglichkeit wäre, dass die Betreiber ihre Windräder abreißen und neue bauen, die höher sind und meist etwa drei Mal effektiver.

Neubau nicht erlaubt

Neue Anlagen bekommen nur noch eine EEG-Förderung von 4 bis 6 Cent – bei einem Marktpreis von etwa 3,5 Cent.

„Der Nachteil ist, dass viele Standorte, die vor 20 Jahren noch als Windeignungsgebiet ausgeschrieben waren und auf denen auch Windräder gebaut wurden, inzwischen nicht mehr als solche Gebiete gelten“, sagte Glahr. Deshalb können dort keine alten gegen neue Anlagen ersetzt werden.

„Deshalb versuchen viele Betreiber nun, einen Abnehmer zu finden“, sagte Glahr.